Anschläge in Brüssel: Die Barbarei des blinden Terrorismus und seine Ursprünge

 

 

Mindestens 34 Tote und mehr als 200 Verwundete: Die Anschläge, die am Dienstag den 22. März in Brüssel stattgefunden haben, haben den Horror mitten in Europa wiederbelebt, knapp vier Monate nach Paris.


Egal, was die Motive und die Forderungen der Verursacher und Geldgeber dieser Anschläge sind: Es sind Morde, die nur Empörung und Ekel zufolge haben können. Der IS, der sich zu ihnen bekannt hat, stellt die Aktion dieser Selbstmörder wie die von Helden dar. In Wirklichkeit gibt es nichts feigeres. Denn es ist bloße Feigheit, solche Verbrechen zu organisieren und zu begehen, die Passagiere vor ihrem Flug und ihre Begleiter, die Angestellten vom Flughafen oder die Menge in einer U-Bahn zu Stoßzeiten, mit Frauen, Männern und Kindern treffen zu wollen.

Solche Mörder sind die bittersten Feinde der Unterdrückten und in erster Linie der Bevölkerungen, denen sie ihre Herrschaft in Syrien oder im Irak aufzwingen. Am selben Abend haben syrische, in Griechenland aufgehaltene Flüchtlinge die Anschläge angeprangert und zwar mit ihren Mitteln: mit kleinen, auf englisch beschrifteten Schildern, die sie vor die Kameras gehalten haben. Sie haben aber daran erinnert, dass sie gerade vor dem Schrecken des Krieges, unter anderem des IS, geflohen sind.

Die Barbarei der Brüsseler Anschläge fällt nicht vom Himmel. Die Großmächte, insbesondere die europäischen, tragen auch wegen ihrer ganzen diplomatischen Machenschaften, ihrer militärischen Interventionen und ihrer Bombardierungen, die auch blind töten, eine große Verantwortung für das Chaos in Syrien und im Irak. Und auf grundsätzlicherer Ebene haben sie, seit mehr als einem Jahrhundert, den Mittelosten zur Arena ihrer Rivalitäten gemacht, um sich seine natürlichen Schätze wie das Erdöl anzueignen oder alle die Märkte, die er darstellt, in erster Linie den der Waffen. Seit mehr als einem Jahrhundert haben die Manöver der Großmächte die Völker getrennt und gegeneinander ausgespielt. Sie haben die Kriege genährt, indem sie diese oder jene regierende Clique oder Miliz, die ihren gegenwärtigen Interessen gedient haben, bewaffneten.

Im Irak und in Syrien zahlen seit fünf Jahren die Völker mit hundert tausenden Toten für den Krieg, der ihr Territorium verwüstet. Sie sind zwar die Opfer des IS, aber sie sind auch und vor allem die Opfer der imperialistischen Politik der Großmächte. Heute sind die Bevölkerungen der Hauptstädte der reichen europäischen Ländern auch betroffen. Denn eine ganze Region kann nicht mit Feuer und Schwert verwüstet werden, ohne das es sich auch in irgendeiner Weise hier auswirkt.

Deswegen sind die Opfer in Brüssel, wie die von letzten November in Paris, indirekt die Opfer der Politik der europäischen Führung. Es ist gerade ihre Politik in Nahost, die dazu beigetragen hat, die Monster des IS zu erzeugen, und die heute noch weitere erzeugt.

Also müssen sich die Arbeitende nicht von der Politik der nationalen Einheit mitziehen lassen, die Hollande und Valls mit Eifer wieder gefördert haben. Eine Einheit mit wem? Mit den Konservativen, die im Irak, in Libyen und Afghanistan Verwüstung verbreitet haben? Mit diesen Sozialdemokraten, die auch für die kriegerischen, in dieser Region der Welt betriebenen Politiken verantwortlich sind? Mit den Rechtsradikalen, die alle Grenzen dicht machen wollen und dabei die reaktionären und anti-Flüchtlinge-Vorurteile schüren? Die Arbeitende dürfen nicht zulassen, dass all diese Machthaber, die für den Anstieg der Barbarei tausende von Kilometern entfernt verantwortlich sind sowie sowie für ihren neuesten Ausbruch hier, in ihrem Namen sprechen.

Lutte Ourvriere, 23. März 2016

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