FIFA nicht reformieren, sondern zerschlagen

 

Führende Funktionäre wurden wegen Korruptionsverdacht verhaftet, Präsident Sepp Blatter ist zurückgetreten. Der internationale Fußballverband FIFA stand in den letzten Wochen schwer in der Kritik, allerdings geht diese Kritik meist nicht weit genug. Ein Kommentar zur FIFA-Krise.


Jedem/r, der/die sich mit Fußball beschäftigt, war seit langem mehr oder weniger klar, dass es sich bei der FIFA um einen korrupten Haufen handelt. Eine Art Mafia von einigen Funktionären manipulierte die Vergabe von Weltmeisterschaften im Eigeninteresse und in dem von Sponsoren – und das sicherlich nicht erst in den Fällen von Russland und Katar!

Auch wenn das offenkundig war, gab es dafür keine Beweise, weil sich die bürgerlichen Gerichte dafür nicht interessierten und die einfachen und kritischen Fans keine Handhabe hatten. Natürlich ist es hoch verdächtig, dass gerade jetzt US-amerikanische Gerichte beginnen gegen die FIFA zu ermitteln. Dabei geht er klarerweise darum, die Fußball-WM in Russland zu verhindern oder zumindest anzupatzen.

Kommerzialisierung durch die FIFA

Die aktuelle mediale Kritik an der FIFA beschränkt sich weitgehend auf Korruption der FIFA-Führung. Was dabei kaum beachtet wird, dass die Grundlage dafür die von der FIFA vorangetriebene Kommerialisierung des Fußballsportes im allgemeinen und von Weltmeisterschaften im besonderen ist. Die FIFA ist de facto ein kapitalistischer Konzern. In den Jahren von 2011 bis 2014 nahm sie 5,718 Milliarden Dollar ein (vor allem für Fernsehrechte und Werbeverträge), wovon 338 Millionen Dollar Gewinn verblieben. Sie verfügte im Jahr 2014 über ein Kapital von 1,523 Milliarden Dollar. Da sie wie ein Verein besteuert wird, zahlt sie kaum Abgaben an die Staaten. In der Schweiz ist sie von der Steuer weitgehend befreit, bei der Ausrichtung der WM in Deutschland forderte sie eine vollständige Steuerbefreiung und erhielt sie auch.

Diese Einnahmen und die Verquickung mit diversen Großsponsoren, die bei Weltmeisterschaften etc. diverse exklusive Vermarktungsrechte haben, sind die materielle Basis für Schmiergelder, Bestechung und all die korrupten Machenschaften. Und natürlich haben der FIFA-Konzern und seine Sponsoren-Partner auch ökonomisch bestimmte Expansionsinteressen und da ist es wichtig, dass einmal der asiatische Markt mit einer WM bedacht wird, einmal der afrikanische und nun der arabische, egal, ob es dort eine Fußball- und Fantradition gibt oder nicht.

Hoffnung auf UEFA?

Bei der sich nun kritisch gebenden UEFA ist das alles natürlich kaum anders und auch da gibt es politische Motive - etwa für die Vergabe einer EM an Polen/Ukraine, die die Ukraine an die EU binden sollte. Und wenn man gesehen hat, mit welchen Schiedsrichterentscheidungen zuletzt der FC Dnipro Dnipropetrovsk gegen Napoli ins Europa-League-Finale gehievt wurde, kann man kaum glauben, dass es da nicht um eine antirussische Parteinahme für das rechte Regime in Kiew ging.

Und generell wäre es unsinnig, jetzt gegenüber der FIFA irgendwie Hoffnungen auf die UEFA zu setzen. Als ein Beispiel für die dortigen Zustände: Deren Präsident Michel Platini hat sich bei der WM-Vergabe für Katar stark gemacht, sein Sohn hat einen Job bekommen beim Qatar Investmentfonds, beim französischen Nobelklub PSG sind neben der Qatar Foundation auch Platini und der konservative Ex-Präsident Nikolas Sarkozy involviert. Platinis Schwiegersohn, der Musikproduzent Yohann Zveig, erhält fette Aufträge von der UEFA - etwa den für die Hymne der Europa League. Auch der Komponist der DFB-Hymne ist Yohann Zveig und DFB-Präsident Wolfgang Niesbach ist in der UEFA ein enger Verbündeter von Platini.

Autoritäres System

Die, neben der Kommerzialisierung, zweite wesentliche Grundlage für die Korruption bei der FIFA sind ihre undurchsichtigen und autoritären Strukturen. Das System von Löhnen, Aufwandsentschädigungen und Boni ist bei der FIFA völlig intransparent; im Jahr 2011 hat die FIFA immerhin 97 Millionen Dollar für solche Zahlungen ausgegeben. 2012 hat die FIFA von einer Journalistenvereinigung für ihre Undurchsichtigkeit bei Finanzen und Postenvergaben sogar den Negativpreis "Verschlossene Auster" bekommen.

Die Entscheidungen der FIFA werden in einem kleinen Klüngel von Bürokraten getroffen, die Masse der Fans hat keinerlei Kontrolle oder Einfluss. Mit dem autoritären FIFA-System werden nationale Verbände (die meist ebenso autoritär aufgestellt sind), wenn sie nicht parieren, bedroht und sanktioniert und sogar staatliche Rechtssysteme ausgehebelt. Insgesamt hat die FIFA im Fußballsport eine reaktionäre Sanktionskultur etabliert. Während oftmals diktatorische Regimes hofiert werden (man denke an die argentinische Militärjunta während der für Österreich so legendären WM 1978), religiöse Statement zugelassen werden und Produktwerbung allgegenwärtig ist, werden politische Botschaften von Spielern oder Fans bestraft - ein völliger Hohn auf Demokratie und Meinungsfreiheit. Diese Verbotskultur setzt sich in die nationalen Verbände hinein fort; wie etwa beim Pokalfinale 2015 in Spanien, wo der katalanische FC Barcelona und der baskische Athletic Bilbao bestraft werden sollen, weil ihre Fans bei der Hymne des spanischen Zentralstaates gepfiffen haben.

Perspektiven

Wenn jetzt an der Spitze der FIFA ein paar Bürokraten ausgetauscht werden, ist das nicht viel mehr als Kosmetik. Wahrscheinlich werden die neuen Spitzenfunktionäre versuchen, sich ein Saubermann-Image zu geben und manches offiziell ein bisschen transparenter gestalten. Hohe Bezüge werden dann vielleicht offener sein, Manipulationen, Kommerzialisierung und reaktionäre Politik werden dann vielleicht "korrekter" ablaufen, aber es wird sich nichts Grundlegendes ändern. Die FIFA wird weiter kapitalorientiert und autoritär funktionieren, wie kapitalistische Konzerne das eben tun.

Nur wenn die autoritären und Kommerzgrundlagen der FIFA verschwinden, kann sich etwas Grundlegendes ändern. Das wird aber der FIFA-Apparat niemals tun. Insofern ist eine Reform der FIFA unmöglich. Im Sinne einer anderen (= nichtkommerziellen und nichtautoritären) Fußballkultur ist nur eine Zerschlagung der FIFA sinnvoll und ihre Ersetzung durch einen internationalen Fußballverband unter Kontrolle der Fans, mit weitreichenden demokratischen Rechten, mit gewählten und jederzeit abwähbaren Vertreter/innen aus allen Ländern, unter Ausschluss jeglicher Präsenz von Sponsoren (nötige finanzielle Mittel können durch Kapitalbesteuerung hereingebracht werden, wenn die Konzerne schon genug Geld für Sponsorentätigkeit haben). Natürlich wird sich eine solche Perspektive weder von heute auf morgen, noch von alleine realisieren. Möglich ist das nur durch eine breite internationale Fanbewegung ihm Rahmen einer aktiven internationalen Arbeiter/innen/sportbewegung ihm Rahmen einer kämpferischen internationalen Arbeiter/innen/bewegung.

Eric Wegner (Wien) und Gianni Albertini (Zürich)

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