Gegen die prekären Arbeitsbedingungen in Wiens Krankenhäusern


Der Krankenanstaltenverbund der Stadt Wien (KAV) hat ein besonderes Credo: Das Sparen. Bereiche, die früher Teil der Krankenhausorganisation waren, werden an externe Firmen ausgelagert. Diese bezahlen die Beschäftigten besonders schlecht und setzen sie unter Druck. Das ist vor allem in der Reinigung, bei den Hausarbeiter/innen und den Abteilungshelfer/innen der Fall. In Deutschland ist bereits die Pflege von dieser Tendenz betroffen. Mit verheerenden Folgen für das Leben der Beschäftigten. Die Vereinbarung von Job und Familie oder Privatleben wird zu einer organisatorischen Herausforderung oder Überforderung.


Die Arbeiter/innen sollen wie Maschinen mal hier mal dort eingesetzt werden. Um ja nicht eine Vollzeitarbeitskraft mehr einzustellen, werden die Arbeitenden dazu gebracht unnötige Stresssituationen zu ertragen. Das heißt es wird Druck gemacht mehr in kürzerer, teilweise unmöglicher Zeit zu leisten. Die Qualität kann nur auf der Strecke bleiben. Die Gesundheit der Arbeitenden ebenso. Je effizienter, das heißt wirtschaftlich profitabel ein Unternehmen geführt wird, desto mehr Schikanen für die Arbeiter/innen gibt es. Das fängt bei den Dienstplänen an, wo dauernd umgeplant wird, einige die tatsächlichen Arbeitszeiten nicht einmal für die nächste Woche wissen.


Ständiger Arbeitsplatzwechsel und Jobunsicherheit


Jeder Bereich, auch jede Station einer Abteilung ist organisatorisch ein bisschen anders aufgebaut. Einmal ist der Reinigungsschrank weiter hinten, bestimmte Utensilien sind anders sortiert, die Tische, die Betten leicht verschoben. Und dann immer unterschiedliche Kolleg/inn/en auch der anderen Berufsgruppen, die ihren eigenen Ablauf und spezielle Erwartungen haben. Das ist ein enormer Stress, sich ständig neu zurechtfinden zu müssen und Konflikte zwischen den Berufsgruppen sind vorprogrammiert. Die besten Teams sind eingespielte Teams, die sich kennen und nicht der ständige anonyme Wechsel. Dank des Profitmaximierens und des Spardrucks des Krankenhausmanagement wird der Arbeitsalltag der Beschäftigten ein Überlebenskampf.


Die Aufträge an externe Firmen werden nur für ein paar Jahre vergeben. Danach wird das ganze Personal, wie man auch im Wiener AKH (im Rahmen des Wechsels zweier Leiharbeitsfirmen) gesehen hat, einfach ausgetauscht. Nur wenige „Glückliche" dürfen bleiben. Was mit den Beschäftigten passiert, ist den Krankenhausmanager/inne/n egal. Alle, die eingearbeitet waren, werden durch neue Arbeitende ersetzt, der Arbeitsablauf dadurch erschwert. Durch die Unsicherheit eines Jobs in der Zukunft, werden die vielen vor allem ausländischen Arbeiter/innen, die oft nicht gut Deutsch sprechen, von den Unternehmer/inne/n an der Stange gehalten und erpresst.


Verdichtung der Arbeit - professionelle und menschliche Behandlung braucht Zeit und Personal


Der Spardruck im Gesundheitswesen hat zu erheblichen Umstrukturierungen geführt, es passieren auch weiterhin laufend Veränderungen. Obwohl die politischen und personellen Verantwortlichen betonen, dass die Umstrukturierungen im Sinne der Patient/inn/en wären, beobachten die Beschäftigten das genaue Gegenteil. Die Arbeitenden, die direkt vor Ort sind, wissen: Für ordentliche hygienische Verhältnisse und eine gute Behandlung braucht es Zeit, Raum und Personal. Das beginnt bei der Reinigung der Böden, der Reinigung der Ablagen und Zimmer, der Hygiene in den OPs, bis zu einer gründlichen Unterstützung der Körperpflege der Patient/inn/en, oder der Konzentration beim Einschachteln von Medikamenten. Man braucht Zeit dafür. Wenn man ständig unterbrochen wird, weil etwa im Nachtdienst nur eine Pflegeperson vorhanden ist, und mehrere sturzgefährdete demente Patient/innen im überfüllten Gang mit Durchfall liegen, kann man sich schwer aufs Medikamente einschachteln konzentrieren.


Aber dass interessiert die hohen Herren und Damen in ihren Sonderklassezimmern oder Privatspitälern reichlich wenig. Aller Logik und der Realität zum Trotz, reden sie uns noch immer ein, dass es hier Sparpotenzial gibt, und dass es für alle gut wäre. Aber uns interessiert ihr Gerede nicht. Es ist unser Alltag, den sie zum Horror machen. Wir wollen eine menschenwürdige Arbeit, um den Kranken die bestmögliche Betreuung zu gewährleisten. Und zwar allen, die es brauchen, und nicht nur denjenigen, mit einem dicken Geldbeutel.


Barbara Gruber

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