LKW Manipulationen: Lebensgefahr für Fahrer und Verkehrsteilnehmer

 

 

3.10.2017

 

Die LKW- und Reisebusfahrer gehören zu den Arbeiter/innen mit besonders schlechten Arbeitsbedingungen. Ihre Chefs halten sich fast nie an Gesetze, beuten die Fahrer zu Niedriglöhnen mit unmöglichen Arbeitszeiten aus. Laut Berechnungen von mehreren europäischen Behörden sind bis zu 40 % aller LKWs in der EU manipuliert, um die Aufzeichnung der Lenk- und Ruhezeiten zu umgehen. Gleichzeitig werden durch die Manipulation lebensrettende Hilfen wie Notbremsassistent, Antiblockiersystem, Antriebsschlupfregelung und die elektronische Steuerung der Bremsanlage außer Kraft gesetzt. Die Fahrzeuge sind dann bei einer Vollbremsung bei 40 Km/h nicht mehr kontrollierbar.

Ebenso sehen die Fahrer nicht einmal mehr die Geschwindigkeit, die sie fahren, da der Tachometer durch die Manipulation auf null steht. Die Manipulationen sind laut Verkehrsbehörden sehr leicht mit einem Magneten durchzuführen. Digitale Fahrtenschreiber, die laut Gewerkschaft Vida weniger leicht manipulierbar sind, sollen aber erst bis 2035 Pflicht sein.


Auch heimische Unternehmen sind Komplizen der Überausbeutung


Es wird immer darauf hingewiesen, dass diese schlechten Arbeitsbedingungen und Manipulationen nur bei osteuropäischen Unternehmen herrschen würden. Es stimmt, viele osteuropäische Unternehmen wenden übelste Ausbeutermethoden an.

Die österreichische Wirtschaft ist aber keinen Funken besser. Tatsächlich haben viele westeuropäische Transportunternehmen ihre Tochterfirmen in osteuropäischen Ländern. Sie lassen sich extra dort nieder, um mit den Fahrern, die niedrige Löhne haben, haufenweise Geld zu machen. Das Magazin "Der Spiegel" berichtete z. B. im März 2016 über die österreichische Spedition Hödlmayer, die rumänische Fahrer für ein Grundgehalt von 233 Euro pro Monat einstellt und die monatelang, ohne die Familie zu sehen, durch Westeuropa fahren und im LKW leben.

Welche Vorstellungen die österreichischen Unternehmer haben, zeigte sich außerdem bei den Kollektivvertragsverhandlungen 2016. Damals forderte die Wirtschaftskammer, dass Stehzeiten der LKW- Fahrer nicht mehr entlohnt werden sollten. Sie wollten, dass  beispielsweise Be- und Entladung des LKWs, Grenzwartezeiten oder Wartezeiten bei Fahrverboten  den Fahrern nicht mehr bezahlt werden.

Ein weiterer Aspekt ist, dass in Österreich die Strafen für die nicht Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes 75 Euro bis höchstens 3.600 Euro im Wiederholungsfall betragen. Manipulationen werden ab 400 Euro bestraft. Die Gewinne, die durch die überarbeiteten Fahrer eingeheimst werden, übertreffen diese lächerlichen Strafen um ein Vielfaches und stellen gar keine Abschreckung dar.

Die organisierte Ausbeutung im Transportwesen zeigt uns, wie verwoben die Konzerne miteinander sind. Westeuropäische Großkonzerne können nicht existieren ohne die Transportfirmen, die ihnen ihre Bauteile liefern. Wenn die LKW-Fahrer sich eines Tages  erheben und den Güterverkehr in ganz Europa lahmlegen, werden alle diese Konzerne es verdient haben.

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