Pflegenot immer gefährlicher, die Regierung verschließt die Augen, die Arbeitenden aber nicht!

 

4.4.2022

 

Die Journalistenplattform Dossier hat 350 Gefährdungsanzeigen von Pflege- und Gesundheitspersonal zwischen 2018 und 2022 ausgewertet. Und es sind bei weitem nicht alle Anzeigen in diesen Jahren.  Gefährdungsanzeigen werden vom Personal gemacht, wenn die Situation durch Personalmangel und strukturelle Probleme gefährlich für Patient/innen wird. Die Meldungen der Kolleg/innen sind eindeutig:

"Kommt zur Verzögerung von Medikamentenausgabe, Pflegevisiten usw. Bei Notfällen und aufwendigen Patienten entstehen dadurch Gefahrensituationen."

"Mobilisationen konnten aufgrund von Zeitmangel nicht durchgeführt werden. Essenseingaben können teilweise nur kurz oder gar nicht erfolgen."

"Ein einfacher Toilettengang gefährdet die Überwachung unserer Patient/innen. Ein Mitwirken im Fall eines Herzalarms kann nicht gewährleistet werden."

Eine ehemalige Krankenpflegerin beschreibt auch, wie sie diese gefährlichen Situationen nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren konnte, wie sie sich die Schuld am Tod einer Patientin gab, der durch Zeitmangel/-druck vielleicht hätte verhindert werden können. Als Antwort auf ihre Anzeige wird sie ins Verhör genommen und nur noch weiter unter Druck gesetzt. Diese Situation führt dazu, dass ein Teil des Pflegepersonals psychische Traumata erleidet. Manche kündigen, manche werden sogar gekündigt, wenn sie zu laut aufschreien. Und das in einer Zeit der Pandemie, in der das Pflege- und Gesundheitspersonal selbst gehegt und gepflegt werden sollte. Diese Verachtung der Oberen gegenüber den besonders geforderten und wichtigen Arbeitenden im Gesundheitswesen ist unfassbar.

Die Anzeigen zeigen, dass die Kolleg/innen sehr gut wissen, dass diese Situationen durch einen Mangel an Investitionen ins Personal und im Gesundheitsbereich verschuldet sind. Gut so also, dass sie das nicht einfach so hinnehmen wollen. Aber Papier ist geduldig und die Anzeigen versanden irgendwo im Nirvana. Die Verantwortlichen reagieren nicht? Dann ist es wohl notwendig, eine härtere Gangart zu fahren. Und die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft!

 

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