UniCredit bedroht Bankarbeitsplätze bei der Bank Austria

 

Die italienische UniCredit Bank, die 2005 die Bank Austria übernommen hat, setzt den Sparstift an. Bis zu 12.000 Stellen sollen laut Medien weltweit bis 2018 gestrichen werden. Die genauen Pläne werden jetzt im November veröffentlicht. Vor allem Arbeitende in Österreich, Deutschland und Italien soll das betreffen. Die Bank Austria, die jetzt der UniCredit untersteht, ist ein trauriges Beispiel dafür, wie die Privatisierung einer ehemaligen Gemeindebank sich zum Nachteil der Beschäftigten auswirkt.


Verkauf an BAWAG-PSK

Es gibt Mutmaßungen, dass die Bank Austria (BA-CA) an die BAWAG-PSK verkauft werden soll, die im Besitz des U.S. Finanzfonds-Managment Cerberus ist. Diesem sind die alten Verträge mit den Mitarbeiter/innen ein Dorn im Auge. Zu teuer, zu gut abgesichert und der Betriebsrat hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Das ist für ein Unternehmen, das den Inbegriff der kapitalistischen Finanzwirtschaft darstellt, inakzeptabel. Die dadurch negativen Folgen für die Arbeitenden könnten sich jetzt auch auf die Beschäftigten der anderen ehemaligen Gemeindebank Bank Austria auswirken.

 

Bank Austria Zusammenschluss zweier öffentlicher Banken

Die Bank Austria ist aus der Länderbank und der Zentralsparkasse entstanden. Die Zentralsparkasse wurde 1905 vom Wiener Gemeinderat gegründet. Sie war an Finanzierungen für das damalige rote Wien, also Gemeindebauten und soziale Projekte für die Arbeiter/innen/klasse, beteiligt. Günstigere Kredite und Sparmöglichkeiten sollten für die Bevölkerung angeboten werden. Die Gemeinde Wien übernahm die Haftung für die Spareinlagen und hatte die Entscheidungsgewalt. Nach dem 2. Weltkrieg spielte die Bank eine Rolle für die Finanzierung im Wiederaufbau. Die Länderbank war eine der der SPÖ nahestehenden Großbanken, die 1946 verstaatlicht wurde und damit der Republik Österreich gehörte, bis sie schließlich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und Schritt für Schritt privatisiert wurde.

 

Aktiengesellschaft, Übernahme durch Unicredit

1991 wurden die zwei Banken Zentralsparkasse und Länderbank unter SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky zur Bank Austria zusammengelegt und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Vranitzky selbst war davor einige Jahre Generaldirektor und im Vorstand von Länderbank und Creditanstalt. Die zuvor eigentümerlose Zentralsparkasse und die teilweise im Besitz der Republik Österreich stehende Länderbank wurden verscherbelt. 1996 folgte die Übernahme der ÖVP-nahen Creditanstalt und die Fusion zu BA-CA. Durch Aktientausch wurde die bayrische Hypovereinsbank Eigentümerin der BA-CA, die selbst 2005 von der italienischen UniCredit geschluckt wurde. Die Folge waren 60 Filialschließungen in den letzten zehn Jahren in ganz Österreich mit ihren negativen Auswirkungen auf die Beschäftigten. Jetzt stehen neuerlich Umstrukturierungen, der Verkauf von Teilen der Bank an die BAWAG im Raum. Weltweit sollen 12.000 Mitarbeiter/innen abgebaut werden.

 

BAWAG-PSK, eine ehemalige Arbeiter-Bank, im Besitz des US-Investmentfonds Cerberus

Die BAWAG wurde 1922 als Arbeiterbank gegründet, um den Organisationen der Arbeiter/innen/klasse, vor allem den Gewerkschaften, finanzielle Mittel zur Verfügung stellen zu können. Sie geriet 2005 in die Schlagzeilen wegen dubioser Bankgeschäfte. Alleinaktionär war vor dem Verkauf der österreichische Gewerkschaftsbund. Im Zuge dieser Affäre haftete der ÖGB mit seinem gesamten Vermögen und verzockte sogar den für Arbeitskämpfe angesparten Streikfonds. Die BAWAG geriet durch die Finanzgeschäfte der ÖGB-Banker in derartige Finanznöte, dass sie 2007 verkauft wurde. Seitdem befindet sie sich in festen Händen des Finanzhai Cerberus, in dessen Vorstand ein ehemaliger US-Finanzminister und US-Vizepräsident sitzt. Cerberus kauft große Anteile von Unternehmen auf, um sie umzustrukturieren und wieder gewinnbringend zu verkaufen. Eine Schande für den Gewerkschaftsbund eine Arbeiter/innen/bank so enden zu lassen.

 

Verkauf der Bank Austria (BA-CA) an die BAWAG-PSK (Cerberus) spießt sich an Personalkosten

Diskutiert wird in den oberen Reihen der Finanzhaie eine Übernahme der BA-CA durch die BAWAG-PSK (Cerberus). Das natürlich nur bei massiver Kostenreduzierung, um sie dann wieder teuer, also mit Profit zu verkaufen. Die Bank hat aber aus ihrer Vergangenheit bestimmte Errungenschaften der Arbeiter/innen/bewegung behalten: Ein Drittel der Beschäftigten ist unkündbar; viele haben alte Verträge, was den Finanzhaien zu teuer wäre. Außerdem gibt es ein relativ hohes Mitspracherecht des Betriebsrates über betriebliche Entscheidungen. Empört sind die kapitalistischen Stimmungsmacher über diese Situation. Bei anderen Banken würde man darüber den Kopf schütteln, dass ein Betriebsrat hier überhaupt noch was zu sagen hat. So genannte Finanzexperten wie Franz Hahn meinen, dass die „Banken im Inland so wenig" verdienen, hänge mit den hohen Personalkosten zusammen " (Presse 22.10.15) Dass die BA-CA im Jahr 2014 einen Nettogewinn von 1,38 Milliarden Euro gemacht hat, ist diesem Finanzexperten scheinbar immer noch zu wenig.

 

Folgen der Privatisierungen: massiver Druck auf die Angestellten

Verschärft durch die letzte Bankenkrise wird der Arbeitsdruck für die Bankangestellten größer. Genaue Vorgaben bestimmen, wieviel verkauft werden muss. Das Ziel wird meist sehr hoch gesteckt. Zu wenig Personal, Stress und eine dazu immer freundliche Fassade gehören für viele zum Alltag. Immer wieder gingen Bankbeschäftigte im Rahmen der Kollektivvertragsverhandlungen der letzten Jahre auf die Straße. 2014 waren das Beschäftigte aller österreichischen Großbanken. Ausgliederungen, nicht bezahlte Überstunden, eine massive Arbeitsverdichtung und keine ordentliche Erhöhung der Löhne haben sie auf die Straße getrieben. „Effizienz" bedeutet für die kapitalträchtigen Institute, so viel Profit wie möglich zu machen - das auf Kosten der Arbeitenden.

 

Bankmanager zu knausrig, um Inflation abzugelten

Der Unterschied zwischen einem „echten Banker" und einem einfachen Bankangestellten wird am Lohnzettel nur allzu deutlich. Die Einkommensunterschiede sind gewaltig. Die Beschäftigten sagen: „Was ein Manager in einem Jahr verdient, verdienen wir nicht in einem Leben." Umso empörender ist es, wenn die Unternehmer/innen/seite die Arbeitenden um ihre Löhne prellen will und nicht einmal die Inflation abgelten möchte, wie das 2011 der Fall war. Im Gegensatz zu den Bankern bekommen die Bankarbeiter/innen keine Boni. Und obwohl die Krise sicher nicht in ihrer Verantwortung lag, waren sie es, die vielfach den Unmut der Kund/inn/en nach der Bankenkrise abbekommen haben.

 

Es reicht!

Auslagerungen, Arbeitsdruck, Personalabbau - das sind die Folgen der Privatisierungen der ehemals staatsnahen Banken. Die von den Kapitalist/inn/en ach so gepriesene Effizienz, bedeutet für die Arbeitenden nur zusätzliche Umstände und Jobunsicherheit. Die Unicredit macht Gewinne in Milliardenhöhe, aber das ist ihnen nicht genug. Es soll noch mehr sein. Die Finanzhaie sind es gewohnt wie Könige zu leben und die Welt zu beherrschen. Alle Errungenschaften aus der Arbeiter/innen/bewegung sind ihnen ein Dorn im Auge. Für sie hat ein guter Mitarbeiter nichts mitzureden, einen kargen Lohn, ist immer freundlich und dankbar und beschwert sich nicht. Wenn sie mit ihren arbeiter/innen/feindlichen Maßnahmen noch lange so weitermachen, wird das auf sie zurückfallen, denn wir lassen es uns schon viel zu lange gefallen, dass sie auf unsere Kosten reich werden, indem wir und unsere Nachkommen verarmen!

Verschließen wir nicht länger unsere Augen vor der Realität. Ohne unsere Arbeit sind sie machtlos. Doch sich zusammen zu schließen und zu wehren, das wird niemand für uns übernehmen, darum müssen wir, die Arbeitenden, alle an einem Strang ziehen.

Barbara Gruber und Attila Kiss

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