Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen im AKH

 

Im Wiener AKH ist die Belastung für das Personal im letzten Jahr weiter gestiegen. Einsparungsmaßnahmen führten zu einer erschwerten Versorgung von Patientinnen und Patienten. Eine Krankenschwester erzählt aus ihrem Arbeitsalltag.

 

Stationen zusammengelegt

Um die Stationsleitungen einzusparen, hat die Direktion die Stationen zusammengelegt. Aus vier Stationen mit jeweils 25 Betten wurden 3 Stationen mit jeweils circa 35 Betten. Das Allgemeine Krankenhaus war mit seinen beiden Bettentürmen, auf denen die Krankenstationen untergebracht sind, architektonisch sehr gut in 4 Stationen aufgeteilt. Quasi für jede Himmelsrichtung eine. Jetzt wurden umständlich 4 zu 3 Stationen umfunktioniert. Die Trennung ist willkürlich und führt dazu, dass die Wege, um zu den Patient/inn/enzimmern zu gelangen, für das Pflegepersonal mitunter sehr lange sein können.


Man hatscht bis zur Erschöpfung

Das Pflegepersonal muss ohnehin dauernd Hin- und Herlaufen, sofort reagieren, wenn jemand etwas möchte. Schwere Patient/inn/en umlagern, heben. Jede Verlängerung des Weges spürt man in den Knochen. Die neue Einteilung wurde einfach umgesetzt, ohne an die Erschwernis für uns zu denken. Die Stützpunkte liegen jetzt so schlecht, dass sie oft an einem Ende der Station sind. Ein Stützpunkt sollte in der Mitte sein, damit der Weg am Kürzesten ist, aber das Haus war bisher auf vier und nicht auf 3 Stationen ausgerichtet.


Zusätzliche Arbeit

Zusätzlich müssen wir nun neue Tätigkeiten, die vorher ärztliche Tätigkeiten waren, übernehmen. Dazu zählen Blutabnahmen, Venflons, i.v. Therapie, über Chemotherapien wird noch heftig diskutiert... zusätzlich zu unseren bisherigen Tätigkeiten wie Körperpflege, Gewicht, Blutdruck, Blutzucker messen. Man kommt sich vor wie eine Medizin/Pflegemaschine. Du stichst die Nadel, unterm Arm hältst schon die Leibschüssel bereit, dann hoffst du, dass das Geschäft nicht zu lang dauert, denn alles ist knapp kalkuliert, du kümmerst dich dazwischen noch um den Nachbarn, drehst dich um, wischt beim ersten den Popsch ab, desinfizierst und weiter geht's mit der Körperpflege.


Keine Zeit um bei der Visite mitzugehen

Durch die Personalknappheit ist die Arbeitsteilung oft so, dass nur die Chefin, also die Stationschwester, bei der Visite mitgeht. Wir müssen ja derweil die Pflegemaschine auf Hochtouren laufen lassen. Nadeln stechen, Infusionen, i.v. Therapie geben, Waschen, anziehen, lagern. Dadurch bekommen wir oft nicht einmal ordentlich mit, welche Krankheiten die Patient/inn/en haben, was der weitere Therapieplan ist. Sie werden dann oft von der Stationsschwester direkt weitergeschickt zu einer Untersuchung. Wenn wir dann irgendeine Maßnahme setzen wollen, wie Blutdruck messen, weiß der Bettnachbar oft besser Bescheid als wir, warum das Bett leer ist. Das ist sehr unangenehm.


Großer Patient/inn/endurchlauf

Man kann sagen ,dass in manchen Bereichen in 2-3 Tagen die halbe Station ausgetauscht ist. Man muss sich wieder viele ganz neue Gesichter merken. Wir werden von dem hohen Umsatz und der Personalknappheit überwältigt. Man will, dass wir wie am Fließband arbeiten. Wir sollen unsere Handgriffe erledigen und dabei noch menschlich sein. Diese Aufteilung der Arbeit, die durch die Personalknappheit entsteht, führt dazu, dass kaum jemand der Betreuenden einen Überblick hat. Man hat nicht die Zeit dazu, sich die Information zu holen, und die Kommunikation ist aus Zeitmangel total reduziert. Aber genau den Überblick brauchen die Patient/inn/en. Wenn man krank ist, will man, dass eine Person, die in das Zimmer kommt, die womöglich noch Sachen in die Vene spritzt, weiß, wer man ist, welche Krankheit man hat und ungefähr weiß, was geplant ist. Zumindest fühlt man sich dann gut betreut.

Mit der jetzigen Personalplanung schaffen wir oft keine gute Betreuung, den Überblick über die Krankengeschichten zu behalten, ist fast unmöglich geworden. Leider werden die Personalplanungsverantwortlichen dieses Spiel noch auf die Spitze treiben. Viele Kolleg/inn/en sind sicher, dass es Vorfälle geben wird, zum Schaden der Patient/inn/en. Sie sind sich sicher, dass erst eine Reihe von Vorfällen mit einigen schweren Folgen zu Änderungen im Management führen werden. Das ist leider die Realität in Wiens Krankenhäusern, auch im AKH.


Perspektiven

Wir haben hier ein großes Problem und es ist nicht leicht eine Lösung zu sehen. Durch den Spardruck nach der Krise verschärft sichsowohl für das Personal als auch für die Patient/inn/en die Situation. Es wird viel gebündelten Protest brauchen, um diese Entwicklung aufzuhalten. Es gab bereits Demonstrationen von Seiten der Pflege. Aber das hat bis jetzt noch nicht gereicht. Es ist kein einfacher Kampf. Und es ist klar, dass wir einen langen Atem brauchen. Für unsere Zukunft und die Zukunft unserer Patient/inn/en ist es wichtig, dass wir uns nicht von der Situation entmutigen lassen, sondern uns weiterhin zusammentun und vernetzen. Denn auch Proteste wird es wieder geben, und wenn wir besser vernetzt sind, haben wir einen Vorteil.

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