Zielpunkt-Pleite: Beschäftigte sollten Unternehmer/innen kontrollieren

 

Demnächst werden 2700 Beschäftigte der Zielpunktkette ihren Job verlieren. Aufgrund der Pleite sind Zahlungen für Löhne und Gehälter von 9,7 Millionen Euro ausständig. Die Arbeitenden erhalten vorerst ihre November- und Dezember-Löhne nicht und auch kein Weihnachtsgeld.


Verdächtig ist, dass kurz vor der Bekanntgabe der Insolvenz noch für 38 Millionen Euro Immobilien von einer Zielpunkt-Tochtergesellschaft gekauft wurden. Außerdem soll der Zielpunkt Chef bei einem Verkauf des Großhandelsbetriebs, zu dem die Zielpunkt-Kette gehört, 100 Millionen kassiert haben. Am 5. November hieß es nach dem Deal noch „Arbeitsplätze nicht gefährdet".

 Dass die Beschäftigten wütend sind, ist kein Wunder. Viele haben jahrelang für niedrige Löhne im Handel gearbeitet, sich aufgeopfert und einen hohen Arbeitsdruck ertragen. Die hohen Chefgehälter hingegen wurden immer mit der großen Verantwortung gerechtfertigt, dass sie es sind, die Jobs erhalten. Wenn das ihre Aufgabe ist, wie sie immer behaupten, mit Königsgehalt, dann sollten sie diese auch erfüllen. Da Herr Pfeiffer, der Zielpunkt Chef, das nicht geschafft hat, sollte er der Erste sein, der bei der Bank um einen Überziehungsrahmen ansucht. Und wenn er dazu noch so viel Geld auf der Seite hat, wäre es in dieser Logik vo angeblicher Verantwortung fällig, seine Millionen seinen Arbeiter/innen zu geben, denen er noch den Lohn schuldet. Aber so läuft das in der so genannten "freien Marktwirtschaft" natürlich nicht - alle Freiheiten haben da nur die Kapitalist/inn/en.

 Schon bei Alpine, daily, Niedermeyer, den großen Firmenpleiten der vergangenen Jahre, bedauerten Medien und Politik, dass die Beschäftigten die negativen Folgen zu tragen hätten. Die Manager/innen hinterließen einen Scherbenhaufen und tausende Arbeiter/innen in die Arbeitslosigkeit. Während die damaligen Konzernchefs heute erneut gute Vorstandsposten haben oder von dem angesammelten Geld einen Neustart machen, zittern viele Arbeitenden noch um ihre Existenz. Die Arbeitslosenzahl wächst weiter. Es geht den Unternehmer/innen nicht um unsere Jobs, sondern um ihr Geld, um den Profit. Wenn ein Konzern Pleite geht, retten sie sich noch mit einer ansehnlichen Summe, überlassen die Arbeitenden ihrem "Schicksal".

Die sich mehrenden Pleiten von Großunternehmen zeigen uns, dass wir kein Vertrauen haben dürfen in die Aussagen der Konzernchefs. Herr Pfeiffer sandte sogar noch kurz vor Bekanntgabe der Pleite einen Weihnachtsbrief an seine Angestellten, in dem er Zuversicht fürs kommende Jahr ausdrückt. Peinlicherweise ist der Brief dann erst angekommen, wo die Insolvenz bereits angekündigt war. Das zeigt jedenfalls, was von solchen schleimigen Weihnachtsbriefen der Konzernleitungen zu halten ist, nämlich nichts. Die Bekanntgabe der Insolvenz von Zielpunkt war, weil Herr Pfeiffer immer auf gute Stimmung gemacht hat und seine Millionen still und heimlich in Sicherheit gebracht hat, ganz unerwartet für Mitarbeiter/innen, Betriebsräte und angeblich auch die Politik. Wieviel Geld wo gelagert ist, wieviel tatsächlich vorhanden ist, bleibt ein dunkles Geheimnis der Geschäftsbücher, wo höchstens die Insolvenzverwalter etwas Einsicht erhalten.

Wollen wir zulassen, dass die Existenz von tausenden Jobs in der Hand von wenigen Händen liegt, die kündigen können, wann es ihnen passt? Die Nachricht der Pleite hat weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen. Sie bedroht die Existenz von 2700 Lohnabhängigen und ihrer Familien und nicht nur das, auch von Hunderten Arbeitenden der Zulieferbetriebe.

Angesichts der steigenden Arbeitslosenzahl ist es eine gesellschaftliche Notwendigkeit die Hintergründe einer solchen Pleite zu prüfen und Geschäftsgeheimnisse öffentlich zu machen. Die Privatunternehmer/innen gehören von uns Lohnabhängigen kontrolliert. Auch schon vor einer solchen Insolvenz. Deshalb brauchen wir eine Öffnung der Geschäftsbücher, damit wir überprüfen können, ob und wieviel Geld vorhanden ist und wie es eingesetzt werden sollte. Ebenso bräuchte es Kontrollgruppen durch die Arbeitenden selbst. Denn Vertrauen, das haben wir oft sehen können, dürfen wir keines in die Privatunternehmer/innen haben. Es ist nicht weniger als unsere Existenz, die diese Leute aufs Spiel setzen. Letzten Endes sind wir es, die ein Interesse an guten Produkten und sicheren Jobs haben. Den Unternehmer/innen geht es in erster Linie um ihren Profit. Egal ob die Produkte dadurch an Qualtiät einbüßen oder die Arbeitenden sich zerreißen müssen um ihren Job zu behalten.

Die Jagd nach Profiten und die Konkurrenz der Konzerne ist nur eine Last für uns Arbeitende. Dadurch steigt die Arbeitslosigkeit und Milliarden Euro verschwinden irgendwo über dunkle Pfade in den Händen der Privatunternehmer/innen. Im Sinne der Arbeitenden Bevölkerung sollten wir uns zusammentun, die Kontrolle der Konzerne organisieren, die Produktion, Logistik und Verteilung selbst in die Hand nehmen. Wir brauchen keine Profite und keine Konkurrenz der Unternehmen sondern die Versorgung der Bevölkerung mit Produkten und sichere Arbeitsplätze.

 

Barbara Gruber

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