Prostitution: Marxismus versus Moralismus


Geschrieben von Helen Ward, 2006

Die jüngste Ermordung von fünf Frauen in Suffolk, Britannien, unterstreicht die Verletzbarkeit von Sexarbeiterinnen. Helen Ward argumentiert, dass jene, die in der Prostitution nur Gewalt gegen Frauen sehen, grundlegende Aspekte der Frauenunterdrückung im Kapitalismus missverstehen.

„Prostitution ist nur ein besonderer Ausdruck der allgemeinen Prostitution des Arbeiters". (1) Dieses Zitat von Marx könnte suggerieren, dass Prostitution für SozialistInnen eine recht klare Sache ist. Stattdessen hat sie sich als wahre Herausforderung erwiesen - und die Positionen Linker erstrecken sich von der Befürwortung von Repression und Abschaffung auf der einen Seite zur Entkriminalisierung und gewerkschaftlichen Organisierung auf der anderen Seite.

In der gegenwärtigen Debatte dreht sich viel um die Frage, ob Prostitution wirklich als Arbeit verstanden werden kann, oder ob sie als Form der Gewalt gegen Frauen am besten erfasst wird. (2) Diese beiden Positionen führen zu diametral entgegengesetzten Strategien. Wird Prostitution als Arbeit verstanden, dann ist der Kampf um Selbstorganisation und Rechte zentraler Bestandteil der sozialistischen Antwort. Ist aber andererseits Prostitution mit Gewalt und Sklaverei gleichzusetzen, dann sind die Beteiligten Opfer, die es zu retten gilt.

Kathleen Barry, Organisatorin einer internationalen feministischen Konferenz über Frauenhandel 1983, verlieh letzterer Meinung Ausdruck, als sie sich weigerte mit der Sexarbeiterin und Aktivistin Margo St. James zu diskutieren, und argumentierte, „dass die Konferenz feministisch sei und die Institution Prostitution nicht unterstütze ... (es wäre) ... unangebracht, die sexuelle Sklaverei mit Prostituierten zu diskutieren." (3) Die Schriftstellerin Julie Bindell schlug in eine ähnliche Kerbe, als sie zur Entscheidung der Gewerkschaft GMB, eine Sektion für Sexarbeiterinnen zu gründen, feststellte: „Wie kann eine Gewerkschaft einerseits eine Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen durchführen und gleichzeitig die Gewalt gewerkschaftlich organisieren. Anstatt wie die Gesellschaft vorzugeben, dass es eine Berufswahl ist, muss die Prostitution als das enttarnt werden, was sie ist - Gewalt gegen Frauen. Gewerkschaftliche Organisierung kann Frauen in dieser abscheulichen Industrie nicht schützen". (4) Erst kürzlich ist die Scottish Socialist Party (SSP) in den Ring getreten und hat erklärt, dass Prostitution Gewalt gegen Frauen sei.

Eine marxistische Position zur Prostitution

Prostitution ist der Austausch von Sex gegen Geld. Da es jedoch auch andere Situationen solchen Austauschs gibt - bei manchen Formen der Ehe etwa - gehen die meisten Definitionen in Nachschlagwerken weiter. Im Oxford English Dictionary ist eine Prostituierte „eine Frau, die ihren Körper zu wahllosen sexuellen Akten insbesondere zur Vermietung anbietet".

Eine umfassendere Definition liefert die Encyclopaedia Britannica, wo Prostitution als „Praktizieren sexueller Aktivitäten mit Individuen, die nicht Ehepartner oder Freund sind, im Austausch für unmittelbare Bezahlung oder andere Güter". Diese Definitionen fügen „wahllos" oder „nicht Ehepartner" hinzu, um herauszufiltern, was wir alle an sich verstehen - Prostitution ist Sex außerhalb jener Verhältnisse, in denen Sex üblicherweise erlaubt ist.

Der Begriff Prostitution scheint im Lauf der Zeit viele verschiedenen Personen und Verhältnisse zusammenzufassen. Die Hetären im antiken Griechenland, die japanischen Geishas, die europäischen Kurtisanen, den Straßenstrich in Soho und die Bordellarbeiterinnen in Mumbai, sie alle teilen sich die Bezeichnung Prostituierte. Diese Erscheinung einer zeitlosen Beschäftigung, die im Klischee des „ältesten Gewerbes" ihren Ausdruck findet, verbirgt verschiedenste gesellschaftliche Verhältnisse. Was diese Frauen verbindet, ist die Ausübung von Sex außerhalb der familiären Privatsphäre, wo Sex in Verbindung mit Reproduktion und Erhaltung des Haushalts steht.

Dies ist von Bedeutung, denn es stoßt auf den Kern der Sache - Prostitution kann nur im Verhältnis zur monogamen Ehe verstanden werden. Wie Engels es ausdrückte, „Monogamie und Prostitution sind zwar Gegensätze, aber untrennbare Gegensätze, Pole desselben Gesellschaftszustandes". (5) Als Bebel in den 1880ern über Frauen und Sozialismus schrieb, erklärte er: „Prostitution wird also zur notwendigen sozialen Institution der bürgerlichen Gesellschaft wie die Polizei, das stehende Heer, die Kirche und die Kapitalistenklasse". (6)

Um diese Dialektik, diese „Durchdringung von Gegensätzen" zu verstehen, müssen wir zuerst das Wesen der Prostitution im Kapitalismus ansehen und betrachten, wie sie sich mit der Produktionsweise verändert, und dann zurückkehren, um das Verhältnis zwischen privatem und öffentlichem Sex und der Frauenunterdrückung zu untersuchen.

Prostitution: eine Ware

Wie die meisten kommerziellen Transaktionen im Kapitalismus baut die Prostitution auf Verkauf und Kauf einer Ware. In Alltagssprache übersetzt, eine Prostituierte „verkauft ihren Körper". Doch das ist eine Fehlbezeichnung, denn am Ende der Transaktion „besitzt" der Klient nicht den Körper der Prostituierten. Der Klient kauft hingegen eine sexuelle Dienstleistung. Manche FeministInnen und SozialistInnen lehnen den Gedanken ab, dass die Frau eine Dienstleistung statt ihres Körpers verkauft, anerkennen aber den vorübergehenden Charakter und beschreiben es als Verkauf des Körpers zur sexuellen Befriedigung.

Doch selbst das ist irreführend. An jedem Ort der Prostitution, egal ob auf der Straße, im Bordell oder durch eine Agentur, gibt es einen Tarif. Üblicherweise wird er aufgrund der rechtlichen Beschränkungen nicht schriftlich festgehalten, aber klar ist: Es gibt einen Preis für Masturbation und üblicherweise höhere Preise für oralen, vaginalen oder analen Sex. Manche Hostessen verlangen eine stundenweise Bezahlung, stellen aber klar, welche sexuellen Leistungen inkludiert sind und welche nicht. Die Ware ist Sex - oder vielmehr eine bestimmte sexuelle Dienstleistung.

Die Verwandlung von Sex in eine Ware wird von vielen Menschen als fundamentale „Sünde" der Prostitution betrachtet. Mhairi McAlpine von der SSP schreibt, „Prostitution ist die Verwertung sexueller Beziehungen, indem sie sie aus der Sphäre gegenseitigen Genusses in die Domäne des Marktes bringt." (7) Ich habe über die Jahre ähnliche Diskussionen mit vielen GenossInnen gehabt -sicher soll ein so intimes Verhalten doch nicht eine veräußerbare Sache verwandelt werden, das gekauft und verkauft wird? Diese eher romantische Sicht von Sex als gegenseitiger Genuss ist selbst schon eine Abstraktion von den gesellschaftlichen Verhältnissen. Wie auch unter früheren Klassengesellschaften ist Sex im Kapitalismus höchst geregelt und verfügt über eine wirtschaftliche Dimension. Diese Regelung ist gegründet auf die Notwendigkeit, das Privateigentum durch Vererbung zu schützen.

Im Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates skizziert Engels, wie die Monogamie (für die Frau) zusammen mit dem Privateigentum entstand. Die monogame Familie „entsteht aus der Paarungsfamilie ... Sie ist gegründet auf die Herrschaft des Mannes, mit dem ausdrücklichen Zweck der Erzeugung von Kindern unbestrittener Vaterschaft, und diese Vaterschaft wird erfordert, weil diese Kinder dereinst als Leibeserben in das väterliche Vermögen eintreten sollen." (8)

Die genaue Gestalt der Familie hat sich mit den verschiedenen Formen der Klassengesellschaft verändert, die Zentralität der weiblichen Monogamie jedoch nicht, wodurch auch erklärt wäre, warum es durchgängig umfassende Gesetze, Religionen und Bräuche zu ihrem Schutz gab und gibt. Es war nicht die Prostitution, die Sex „aus der Sphäre gegenseitigen Genusses" gebracht hat, sondern die Monogamie, die zur Verteidigung des Privateigentums erforderlich ist. Töchter wurden zu Eigentum, das für seine Fähigkeit zur Produktion von Nachkommen gekauft und verkauft wurde, im Tausch gegen Land, Vieh oder Geld.

Die Prostitution entstand aus dem gleichen Prozess, weil keine Gesellschaft in der Lage war, dem Mann die Monogamie ebenso aufzuzwingen wie der Frau. Demosthenes, ein griechischer Redner, fasste die Haltung zur Frau in der Sklavengesellschaft Athens zusammen: „Wir gehen zu Kurtisanen für unseren Genuss, halten uns Konkubinen für unsere täglichen Bedürfnisse und heiraten Frauen, damit sie uns legitime Kinder geben und treue Hüterinnen unseres Herzens sind". (10)

Aber ist diese Sicht nicht veraltet? Sicher gilt doch im 21. Jahrhundert Sex vorwiegend dem gegenseitigen Genuss und nicht der Produktion von Nachkommen oder dem Geldtransfer? In den letzten 40 Jahren hat eine beachtliche sexuelle Liberalisierung stattgefunden durch die Veränderung der gesellschaftlichen Position der Frau und die Entwicklung effektiver Verhütungsmethoden, und Prostitution ist nunmehr nicht die einzige Form von außerehelichem Sex. Doch die gesellschaftlichen Strukturen bevorzugen in Eigentumsbelangen immer noch monogame heterosexuelle Beziehungen, und weltweit werden Frauen, die offen nicht monogamen Sex suchen, als Huren oder Schlampen beschimpft.

Die Klassenstruktur der Prostitution

Augenscheinlich scheint Prostitution nicht in die üblichen ökonomischen Kategorien zu passen. Ein Historiker schreibt:

„...die Prostituierte verhält sich nicht wie irgendeine andere Ware; sie nimmt einen einzigartigen Platz ein, im Kern eines außergewöhnlichen und ruchlosen ökonomischen Systems. Sie ist in der Lage, alle Bedingungen der kapitalistischen Produktion zu verkörpern: sie ist menschliche Arbeit, Tauschobjekt und Verkäufer zugleich. Sie steht für Arbeiter, Ware und Kapitalist und verschleiert die Kategorien der bürgerlichen Wirtschaft gleichermaßen wie die Grenzen bürgerlicher Moral testet ... Als Ware beinhaltet und entstellt die Prostituierte alle klassischen Merkmale bürgerlicher Ökonomie." (11)

Während es falsch ist, dass eine einzige Prostituierte alle Elemente der kapitalistischen Produktion verkörpern kann, führt es uns zu den verschiedenen Rollen, die Prostituierte ausüben können. Sie können in der Tat als Arbeiterin, Ware, Verkäuferin und sogar als Kapitalistin auftreten, doch dies liegt darin begründet, dass verschiedene Prostituierte verschiedene Verhältnisse haben können zur Ware, die sie verkaufen.

Waren haben sowohl einen Gebrauchswert als auch einen Tauschwert. Der Gebrauchswert von Prostitution ist die Befriedigung der Sehnsüchte des Klienten, die Bereitstellung sexuellen Genusses. Der Tauschwert ist die in der Ware enthaltene, gesellschaftliche Arbeit, also die physische und mentale Arbeit, die in der Bereitstellung der sexuellen Dienstleistung enthalten ist. Sie entspricht dem, was eine Sexarbeiterin braucht, um sich zu reproduzieren unter den gesellschaftlich durchschnittlichen Bedingungen für diese Industrie.

Wie viele Dienstleistungen und manche produktive Industrien im Kapitalismus findet Prostitution in verschiedensten Formen statt und die Prostituierte hat jeweils ein anderes Verhältnis zu den Produktionsmitteln und zum Käufer. Viele Prostituierte sind Lohnarbeiterinnen: Sie werden von einem Individuum oder Unternehmen beschäftigt und müssen bestimmte Stunden arbeiten. Dies trifft auf Millionen Frauen zu, die in Bordellen, Saunas oder Bars auf der ganzen Welt arbeiten. Sie erhalten einen Lohn aufgrund der gearbeiteten Stunden oder der Zahl der Klienten, die sie gehabt haben.

Hierbei verkaufen sie ihre sexuellen Leistungen nicht direkt an den Klienten - sie verkaufen ihre Arbeitskraft an den Boss. Dieser Boss (Zuhälter, Puffmutter, Bordell- oder Barbesitzer) nimmt das Geld des Klienten entgegen und gibt einen Teil davon der Sexarbeiterin weiter (oder verlangt die Ablieferung eines Anteils am Honorar für die Sexarbeit). In diesem Sinn kann man bei Sexarbeiterinnen - wie bei allen anderen LohnarbeiterInnen - insofern am ehesten vom „Verkauf ihrer Körper" sprechen, als sie ihre Arbeitsfähigkeit verkaufen. Wie jedoch Marx im ersten Band des Kapitals erklärt, ist das nicht gleichbedeutend mit einem Verkauf von sich selbst:

„Dass der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur für bestimmte Zeit verkaufe, denn verkauft er sie in Bausch und Bogen, ein für allemal, so verkauft er sich selbst, verwandelt sich aus einem Freien in einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer in eine Ware." (12)

Tatsächlich gibt es Sexarbeiterinnen, die unter Bedingungen der Sklaverei leben - wo sie selbst als Waren verkauft und gekauft und von den Sklaveneignern zur Arbeit eingesetzt werden. Dieses erneute Aufkeimen moderner Sklaverei, über das zumeist in Verbindung mit Menschenhandel berichtet wird, beschränkt sich nicht auf die Prostitution, sondern findet sich auch bei Dienstmädchen oder anderen Formen von dienender Tätigkeit. Dass in Teilen der Sexindustrie Sklaverei existiert, darf uns nicht darüber hinweg täuschen, dass ein viel größerer Teil der Prostitution in Gestalt der üblicheren Lohnsklaverei stattfindet.

Die meisten Sexarbeiterinnen sind jedoch weder Sklavinnen noch Lohnarbeiterinnen - hauptsächlich, weil gesetzliche Einschränkungen der Prostitution die Ausbreitung einer „rechtmäßigen" Industrie behindert und sie auf den Graubereich des Schwarzmarktes und der kriminellen Wirtschaft beschränkt haben. Viele Sexarbeiterinnen sind Direktverkäuferinnen; sie arbeiten nicht für andere, sondern treiben direkten Handel mit dem Klienten. Auch sie verkaufen eine Ware, doch es ist nicht ihre Arbeitskraft, sondern eine Ware, in der ihre Arbeit enthalten ist, also die sexuelle Dienstleistung, und sie verkaufen sie direkt an den Käufer. Sie sind also Selbständige, auch wenn sie in den meisten Ländern nicht legal als solche erfasst werden können. Manche verfügen über Ressourcen und besitzen oder mieten ihre Produktionsmittel - die Räumlichkeiten, Telefone und andere Werkzeuge ihres Gewerks. Sie sind klassische Kleinbürgerinnen.

Viele Frauen in dieser Situation sind jedoch weit vom Bild einer selbständigen Unternehmerin der Mittelklasse entfernt. Die meisten sind arm und mit geringen Ressourcen, und für sie hat ihr Geschäft mehr Ähnlichkeit mit der primitiven Form des Tauschhandels. Zum Beispiel, wenn sexuelle Dienste direkt gegen Subsistenz wie Essen und Unterkunft oder gegen Drogen gehandelt werden. Diese Personen sind nur am Rand in die kapitalistische Wirtschaft eingebunden - sie sind Teil dessen, was Marx das Lumpenproletariat genannt hätte.

Und dann gibt es Prostituierte, die andere beschäftigen, damit sie für sie arbeiten. Einige Sexarbeiterinnen führen ihr eigenes Geschäft, als Madames und Bordellbesitzerinnen. Als Chefinnen eignen sie ihre eigenen Produktionsmittel und beuten die Arbeit anderer aus, während sie zeitweise auch selber Sex verkaufen. Deshalb sind einige Prostituierte Arbeiterinnen, einige Sklavinnen, die meisten Kleinbürgerinnen und einige wenige Kapitalistinnen. (13)

Ausbeutung oder Unterdrückung?

Marx hat auf einer recht hohen Ebene der Abstraktion - Ware, Gebrauchs- und Tauschwert - das Wesen der Ausbeutung festgestellt. ArbeiterInnen werden von KapitalistInnen nicht durch Betrug oder Tricks ausgebeutet, sondern durch das Wesen der Lohnarbeit selbst: ArbeiterInnen tauschen eine Ware gegen Lohn. Die Ware ist nicht Produkt ihrer Arbeit sondern ihre Arbeitsfähigkeit, ihre Arbeitskraft.

Die Ausbeutung entsteht aus dem Unterschied zwischen dem Wert der Arbeitskraft und dem Wert der Waren, die sie in der Zeit der Verwendung der Arbeitskraft durch den Kapitalisten produzieren. Ausbeutung ergibt sich aus der Tatsache, dass der Arbeiter nicht das Produkt seiner Arbeit sondern lediglich die Arbeitsfähigkeit sein eigen nennt. Selbst wenn dem Arbeiter der Lohn in der vollen Höhe des Wertes der Arbeitskraft gezahlt wird - also bei einem fairen Tausch in kapitalistischen Begriffen - wird der Arbeiter ausgebeutet.

Roberta Perkins schreibt über die Sexindustrie in Australien und liefert eine wertvolle Beschreibung, wie dies in der Sexindustrie funktioniert:

„Bordelle oder Salons (kleine Bordelle, Bäder, Saunas, Harems) sind in ihrer Struktur wie eine kleinere oder mittlere Fabrik, ein Hotel oder ein anderes Gebäude, das ausschließlich als Arbeitsplatz verwendet wird, mit großer Kapitalauslage, hohen Gemeinkosten und einem großen regelmäßigen Profit. Der ‚Eigentümer der Produktionsmittel' kann ein Individuum, eine Partnerschaft oder eine Aktiengesellschaft sein, der zusätzliches bezahltes Personal beschäftigt wie Manager, RezeptionistInnen, BarkeeperInnen, oder Reinigungspersonal und auf Kommission Beschäftigte, oder Prostituierte. Die Prostituierten arbeiten hier in proletarischer Tradition, bei der ihre Arbeit erworben und gegen Geld getauscht wird. Der Tauschwert der Prostituierten ist üblicherweise halb so hoch wie der Tauschwert der Güter (Sex), die vom Klienten (Kunden oder Konsumenten) erworben werden. Das ist ihre Kommission [oder ihr Lohn - HW] vom gemeinsamen Arrangement mit dem Besitzer, dessen Anteil ein Mehrwert ist, von dem Löhne für Hilfskräfte, Miete, Strom, Telefon, Werbung und andere Gemeinkosten sowie das Kapital für die Neuinvestition in das Unternehmen (zum Beispiel für Renovierung oder Expansion) abgezogen werden müssen. Was von diesem Mehrwert überbleibt, ist der Profit der oder des Eigners." (14)

Wie bei anderen LohnarbeiterInnen entstehen Ausbeutung und Profit aus der Spanne zwischen den Beschäftigungskosten der Sexarbeiterin und dem Einkommen, das sie durch die von ihr gelieferte Ware erzeugt. Für die Kleinbürgerin gibt es keine Ausbeutung in diesem Sinn, und der Profit entsteht durch die Anhebung des Preises über die Unternehmenskosten.

Diese Analyse wird von Feministinnen zurückgewiesen, die argumentieren, dass der Klient auch direkt die Sexarbeiterin ausbeutet. Klarerweise ist im Verhältnis Prostituierte-Klient der Klient fast immer in einer privilegierten wirtschaftlichen Position, doch beutet er die Prostituierte nicht aus. Seine Rolle in diesem Verhältnis ist die eines Konsumenten. Es gibt viele andere, die sie ausbeuten - ob das der Unternehmer, der Zuhälter, Puffmutter oder eine Firma sein mag - aber in ökonomischen Begriffen ist es nicht der Klient. (15)

Hier ist Engels Analogie über Prostitution und Monogamie relevant. In der Familie hat der Ehemann viele Vorteile gegenüber der Frau hinsichtlich der Macht im Haushalt, des verfügbaren Einkommens und der Freiheit von vielen weltlichen Aufgaben. Doch dies hat er im Allgemeinen nicht durch die ökonomische Ausbeutung seiner Frau erreicht - er hat dies „ererbt" von der allgemeinen Position von Mann und Frau im Kapitalismus. (16)

Wenn wir hier sagen, dass Prostituierte nicht von den Klienten ausgebeutet werden, ist das nicht gleichbedeutend damit, dass sie von ihnen nicht unterdrückt werden. Viele Sexarbeiterinnen werden brutal von Klienten unterdrückt, die auf herabwürdigende und oft gewalttätige Weise behandeln. Auch der Staat behandelt Sexarbeiterinnen so, indem er ihnen oft grundlegende Menschen- und andere Rechte verwehrt. So wurde zum Beispiel in Britannien bis vor Kurzem eine Frau, die frühere Verurteilungen wegen Anschaffens hatte als „gemeine Prostituierte" geführt. War sie einmal erfasst, so hatte sie weniger Rechte als alle anderen. Erneute Verfahren benötigten nicht einmal zwei Zeugenaussagen, sondern konnten allein aufgrund der Aussage eines Polizisten zur Verurteilung führen, wobei auch die bisherigen Verfahren eine Rolle im Gericht spielten.

In vielen Ländern bestehen für Frauen mit Verurteilungen wegen Prostitution Einschränkungen im Reiserecht, ihnen wird oft das Sorgerecht für die Kinder verwehrt und in England werden auf den Straßenstrich gehende Frauen mit Verweisen wegen asozialen Verhaltens belegt, die zu einem effektiven Ausgehverbot für eine Aktivität führen, die eigentlich kein Verbrechen ist. Extremere Beispiele der Unterdrückung von Prostituierten schließen die hohe Mordrate und die Häufigkeit von physischen Angriffen ein, und die Verteufelung, die sie durch die Presse erfahren. Frauen, die als Prostituierte geoutet werden, werden oft von Familie und Freunden verstoßen, können ihre Kinder verlieren und nie wieder in „normale" Jobs wechseln. Sie werden zu Geächteten.

Diese rechtlichen und sozialen Sanktionen betreffen nicht nur Frauen, die auf der Straße arbeiten; erstrecken sich auf jede Frau, die als „Hure" erfasst wird. Klarerweise sind es Frauen in verwundbaren Positionen - ohne Geld, mit geringer Bildung und geringem sozialem Support - die am meisten leiden. Sie werden von allen Seiten geschmäht. Es überrascht wenig, dass sich bei vielen eine Drogen- oder Alkoholsucht oder ein mentales Gesundheitsproblem entwickelt. Doch das populäre Stereotyp von Frauen, die als Kind missbraucht und in die Prostitution getrieben werden, um ihren Drogenkonsum zu finanzieren, ist nicht der häufigste Werdegang.

Meist ist es eine Kombination von Faktoren, die zum Beginn der Sexarbeit führen, und der gemeinsame Nenner ist nicht Drogensucht oder Missbrauch, auch wenn dies Faktoren sind, sondern finanzielle Nöte. Dieser Geldmangel kann absolut oder relativ sein - viele Frauen halten die Sexindustrie für eine bessere Option als einen schlecht bezahlten Job mit hoher Ausbeutung im formellen Sektor.

Die Situation ist auch in anderen Ländern nicht anders. In Indien veröffentlichten 1997 Sexarbeiterinnen ein Manifest, das folgende Feststellung enthält, warum Frauen Sexarbeit beginnen:

„Frauen beginnen mit Prostitution aus den gleichen Gründen, aus denen sie andere Optionen der Lebenserhaltung ergreifen, die ihnen zugänglich sind. Unsere Geschichten unterschiedet sich nicht wesentlich von jenen der Arbeiterinnen aus Bihar, die eine Rikscha in Kalkutta ziehen, oder von Arbeiterinnen aus Kalkutta, die Teilzeit in einer Fabrik in Bombay arbeiten. Manche von uns werden an die Industrie verkauft. Nachdem wir an die Puffmutter für einige Jahre gebunden sind, erreichen wir einen Grad von Unabhängigkeit innerhalb der Sexindustrie. [Wir] landen im Sexgewerbe, nachdem wir viele Erfahrungen im Leben gemacht haben, oft gegen unseren Willen und ohne die Implikationen einer Existenz als Prostituierte voll zu verstehen. Aber wann haben die meisten von uns Frauen innerhalb oder außerhalb der Familie schon die Wahl? Werden wir freiwillig zu Dienstmädchen in prekären Verhältnissen? Haben wir denn die Wahl, wen wir heiraten und wann? Diese ‚Wahlmöglichkeit' existiert kaum für uns Frauen, insbesondere für arme Frauen." (17)

Öffentlich und privat

Diese marxistische Analyse zeigt, dass Prostitution als Kehrseite der Medaille der Monogamie entstand, die zur Verteidigung des Privateigentums existiert, und dass sexuelle Verhältnisse nicht gänzlich von den wirtschaftlichen Verhältnissen in der Klassengesellschaft losgelöst werden können. Die Frauenunterdrückung gründet sich auf der Trennung von privater Hausarbeit und Reproduktion von gesellschaftlicher Produktion und gesellschaftlichem Leben.

Die Prostitution stellt eine Bedrohung für die Gesellschaft dar, weil sie diese scharfe Trennung verwischt - Sex aus den eigenen vier Wänden und auf den Markt holt. Weiters gehören Prostituierte im Kapitalismus nicht einer einzigen Klasse an. Unser Programm zur Prostitution soll dieses Verständnis reflektieren und sich weder auf unsere eigenen romantischen Ideen über Sex, noch auf unsere Abscheu gegen die extremste Ausbeutung der Sexarbeiterinnen stützen.

Sexarbeiterinnen organisieren sich

In den letzten Jahren gab es einen massiven Anstieg in der Organisation von Sexarbeiterinnen. In Nordamerika und Europa entwickelten sich viele dieser Organisationen aus Frauengruppen und anderen sozialen Bewegungen, mussten aber mit den feministischen Positionen zur Sexarbeit brechen, um eine Kampagne für ihre eignen Rechte führen zu können. Viele Feministinnen wollen die Abschaffung der Prostitution und sehen sie lediglich als Gewalt gegen Frauen. Sie vertreten, dass sie durch Sanktionen gegen Manager und Klienten sowie Rettungsmissionen für die Prostituierten eliminiert werden muss. Viele sprechen nicht einmal von Prostituierten oder gar Sexarbeiterinnen, sondern verwenden den Begriff „prostituierte Frauen". Diese besonders bevormundende Sprache enthüllt ihre Einstellung - sie halten Sexarbeiterinnen für leichtgläubig und gestehen ihnen keine Rolle in ihrer Befreiung von der Unterdrückung oder Ausbeutung zu.

Der Streit zwischen feministischen Retterinnen und Aktivistinnen für Prostituiertenrechte ist so groß, dass sie sich kaum eine Plattform teilen. Die Women's Library organisierte kürzlich in London eine Ausstellung zur Prostitution, ließ jedoch keine Vertreterinnen der Organisationen der Sexarbeiterinnen zu, was draußen zu Protesten der International Union of Sex Workers (IUSW) führte. (18) Die extremste Position wird von der Schriftstellerin Julie Burchell eingenommen, die schreibt, „Prostitution ist der höchste Triumph des Kapitalismus. Ist der Sexkrieg gewonnen, sollten Prostituierte als Kollaborateurinnen erschossen werden für ihren Verrat an allen Frauen, für das moralische Teeren und Federn von einheimischen Frauen, die das Pech haben, in ihrem Revier zu leben." (19)

Die Organisationen von Sexarbeiterinnen wurde dafür kritisiert, die Prostitution zu romantisieren und nur die „Professionellen" der Mittelklassen zu repräsentieren. In Indien jedoch existiert eine Massenorganisation von Sexarbeiterinnen und vertritt genau die gleichen Positionen. Das Durbar Mahila Samanwaya Komitee (oder „Durbar", was auf Bengali so viel bedeutet wie unaufhaltsam oder unzähmbar) hat seine Basis in West Bengal, Indien, und entstand aus der Sonagachi AIDS Präventionsinitiative. Durbar hat 65.000 Mitglieder und arbeitet in einigen der ärmsten Gebiete des Landes:

„Durbar steht explizit zu seinem politischen Ziel des Kampfes für die Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit und von Sexarbeiterinnen als Arbeiterinnen und für eine gesicherte soziale Existenz der Sexarbeiterinnen und ihrer Kinder. Durbar fordert die Entkriminalisierung erwachsener Sexarbeiterinnen und versucht Gesetze zu reformieren, die Menschenrechte von Sexarbeiterinnen einschränken, und dazu tendieren, sie zu kriminalisieren und ihre Beteiligung als volle Bürgerinnen zu beschränken." (20)

Ihr bereits oben zitiertes Manifest von 1997 enthält ein Verständnis von sexueller Unterdrückung, das viele SozialistInnen beschämt:

„Der Besitz von Privateigentum und die Erhaltung des Patriarchats erfordern die Kontrolle über die Reproduktion der Frau. Da die Eigentumslinien durch legitime Erben erhalten werden und der Geschlechtsverkehr von Mann und Frau das Potential der Zeugung birgt, billigt das kapitalistische Patriarchat nur solche Paarungen. Sex wird vor allem und fast ausschließlich als Instrument der Reproduktion gesehen und alle innewohnenden Aspekte des Genusses und der Sehnsucht negiert ... Der junge Mann auf der Suche nach sexueller Einführung, der verheiratete Mann, der die Gesellschaft ‚anderer' Frauen aufsucht, der Wanderarbeiter, der fern von seiner Familie die Wärme und Zuwendung im Rotlichtbezirk sucht, sie alle können nicht als schlecht und pervers abgetan werden. Dies zu tun, würde eine ganze Geschichte menschlicher Suche nach Sehnsucht, Intimität und Bedürfnis verleugnen."

Organisationen der Sexarbeiterinnen sind zentral im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Angesichts der Klassenspaltung innerhalb der Prostitution müssen diese Organisationen von jenen Sexarbeiterinnen geführt werden, die angestellt sind oder für sich selbst arbeiten, und dürfen nicht jenen, die andere beschäftigen und ausbeuten wollen, als Rekrutierungsfelder überlassen werden.

Die Gewerkschaften und lokalen Organisationen von Sexarbeiterinnen brauchen starke Verbindungen zu anderen Organisationen der ArbeiterInnen - als Teil einer vereinten und starken ArbeiterInnenbewegung werden sie besser in der Lage sein, weit verbreitete Vorurteile zu bekämpfen.

Im letzten Jahrzehnt haben viele Gewerkschaften beschlossen, Sexarbeiterinnen zu organisieren und zu vertreten. In Britannien überzeugte die International Union of Sex Workers (IUSW) die allgemeine Gewerkschaft GMB, eine Sektion für die Sexindustrie in Soho zu gründen, und diese hat erfolgreich ein Bordell organisiert und Anerkennungsvereinbarungen mit Striplokalen getroffen. Sexarbeiterinnen werden auch in die allgemeinen Gewerkschaften in Deutschland (Verdi) und in Holland (FNV) aufgenommen. (21)

Prostitution und Sozialismus

Das Leben von Sexarbeiterinnen ist oft hart und gefährlich, und nicht zuletzt deshalb, weil es kriminalisiert und der Repression ausgesetzt ist und damit Sexarbeiterinnen dem Missbrauch durch Zuhälter und Klienten ausliefert. Viele Sexarbeiterinnen sind mit ihrer Arbeit unglücklich und würden sie verlassen, gäbe es wirkliche Alternativen. Dennoch ist es eine Form entfremdeter Arbeit wie die anderen im Kapitalismus.

Prostitution würde in dieser Form in einer sozialistischen Gesellschaft nicht existieren, genauso wenig wie die Familie oder die Arbeit in ihrer gegenwärtigen Form. Es mag sehr wohl spezialisierte sexuelle UnterhalterInnen oder ExpertInnen geben. Jedoch befreit von der Verbindung zum Privateigentum und der staatlich sanktionierten oder durchgesetzten Monogamie werden sich sexuelle Verhältnisse in Richtungen entwickeln, über die wir heute nur spekulieren können. Der zentrale Punkt ist, dass die Unterscheidung zwischen öffentlich und privat, im Sinne des öffentlichen gesellschaftlichen Lebens und der privaten Reproduktion sich auflösen muss, und in diesem Prozess werden Frauen wirklich befreit.

Strategien zur Sexarbeit

Die Prostitution muss entkriminalisiert und jene, die Sex verkaufen oder kaufen, müssen von Verfolgung befreit werden. Streichung aller spezifischen Gesetze zur Sexarbeit! Das ist nicht gleichbedeutend mit der Legalisierung von Prostitution, die dazu führt, dass Toleranzzonen oder eine Liste registrierter Arbeiterinnen geschaffen werden. Solche Regelungen sind nicht zum Schutz der Arbeiterinnen, sondern um die „höfliche Gesellschaft" von solchen Arbeiterinnen zu schützen. Wir lehnen solche spezifischen Regelungen für „Sexarbeiterinnen" ab, weil sie lediglich dem Staat mehr Kontrolle über die Sexarbeiterinnen ermöglichen, etwa sie zu regelmäßigen Gesundheitskontrollen zu zwingen, wie es in keiner anderen Industrie möglich wäre. In Ländern mit staatlicher Kontrolle der Sexarbeit, wie in Österreich oder in Griechenland, wo registrierte Arbeiterinnen regelmäßige Untersuchungen und Bestätigungen brauchen, wird durch diese Legalisierung nur die versteckte Sexarbeit und die staatliche Repression aufrechterhalten. Regelungen, die wirklich dem Schutz der Sexarbeiterinnen vor Kriminellen, Gewalt usw. dienen sollen, müssen - wie in anderen Industrien auch - von den gewerkschaftlichen Vertretungen der Sexarbeiterinnen entwickelt werden, sobald ihre Arbeit entkriminalisiert ist.

Gegenüber Ausbeutern und Belästigern kann es nur eine Nulltoleranz geben. Gewerkschaften der Sexarbeiterinnen sowie gleiche Rechte wie andere ArbeiterInnen erlauben Sexarbeiterinnen ihren Ausbeutern entgegenzutreten. Solange sie am Rande der Legalität leben oder tatsächlich kriminalisiert werden, können sie nicht auf Gesetze zurückgreifen.

Für freies Bewegungsrecht der Arbeitskräfte über die Grenzen hinweg! Weg mit allen Einwanderungskontrollen! Nur so kann die Macht der Menschenhändler in der Sexindustrie untergraben werden. Keine erzwungene Sexarbeit; unter entkriminalisierten Rahmenbedingungen können Sexarbeiterinnen selbst sicherstellen, dass Minderjährige und verletzbare Jugendliche nicht ausgebeutet werden.

Wir brauchen Kampagnen gegen die Heuchelei rund um die Sexarbeit - durch die Integration von Sexarbeiterinnen in allgemeine Gewerkschaften wird das in der ArbeiterInnenklasse einfacher, doch wir müssen der bösartigen Position der Presse und des Staates entgegentreten.

Wir lehnen das zwangsweise Testen von Sexarbeiterinnen auf HIV und andere sexuell übertragene Krankheiten ab, ebenso wie die Verwahrung von Sexarbeiterinnen, denen eine Infektion nachgewiesen wurde. Für Frauen, Männer und Kinder, die als SexarbeiterInnen arbeiten, sind HIV und andere Infektionen Berufskrankheiten, für die sie nicht bestraft werden sollten. Eine Aufklärungskampagne unter Sexarbeiterinnen und Klienten soll die Verwendung des Kondoms sowie die Praxis von Safer Sex fördern.

Freizeitdrogen sollen legalisiert werden und ihre Verbreitung reguliert und auf ein sicheres Niveau gebracht werden. Die Verwendung harter Drogen einschließlich der Abhängigkeit von diesen soll als medizinisches/soziales Problem behandelt werden. Die untergräbt die Drogenkriminalität, die mit einem Großteil der Gewalt rund um Prostitution verbunden ist.

Wir müssen der Doppelmoral entgegentreten, die Frauen das Recht auf freie Sexualität zu verwehren sucht, während sie sie bei jungen Männern fördert. Das ist Teil des Kampfes gegen Sexismus.

Jede Kampagne für Sexarbeiterinnen soll in Verbindung mit der Verbesserung der Bildung und Ausbildung junger Frauen und mit der Forderung nach anständigen Jobs und Löhnen geführt werden.

Anmerkungen

(1) K. Marx, Ökonomische und philosophische Manuskripte, 1844.

(2) In diesem Artikel verwende ich die Begriffe Prostitution und Sexarbeit. Es gab eine ausführliche Debatte darüber, welcher zu bevorzugen wäre und im Allgemeinen wird Sexarbeit von den Aktivistinnen bevorzugt und bezieht sich auf eine größere Gruppe von Menschen in der Sexindustrie. Historische und gegenwärtige Diskussionen über die Rolle von kommerziellem Sex in der Gesellschaft tendieren dazu, von Prostitution zu sprechen (Austausch von Sex statt von Bildern mit sexuellem Inhalt zum Beispiel) und daher halte ich es für wichtig, den Begriff weiterhin zu verwenden. Ich beziehe mich auch ausschließlich auf Sexarbeiterinnen und männliche Klienten in der Diskussion der allgemeinen Aspekte der Prostitution. Dies deshalb, weil es die vorherrschende Form ist und am engsten mit der allgemeinen sexuellen Unterdrückung verbunden ist. Dies soll jedoch nicht leugnen, dass es eine große Anzahl von Männern gibt, die Sex verkaufen. Die britische Regierung schätzt, dass es derzeit 70.000 SexarbeiterInnen in Britannien gibt.

(3) RS Rajan, The prostitution question(s). (Female) Agency, sexuality and work, in Trafficking, sex work, prostitution, Reproduction 2, 1999

(4) J. Bindell, The Guardian, 7 Juli 2003

(5) F. Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, Kapitel II, Die Familie

(6) A. Bebel, Woman under socialism, Schocken Books, 1971

(7) Scottish Socialist Party Women´s Network, Prostitution: a contribution to the debate, 2006, auf www.scottishsocialistparty.org/pages/prostitution.html

(8) F. Engels, Ursprung..., Kapitel II, Die Familie; 4. Die monogame Familie, 1. Absatz

(9) Movement for a Revolutionary Communist International 1986, The origin and changing nature of women's oppression, auf HYPERLINK "http://www.permanentrevolution.net/?view=entry&entry=375" www.permanentrevolution.net/?view=entry&entry=375

(10) JA Symonds, A problem in Greek Ethics, 1901, auf HYPERLINK http://www.sacred-texts.com/lgbt/pge/pge00.html www.sacred-texts.com/lgbt/pge/pge00.html

(11) S. Bell S., Reading, writing and rewriting the prostitute body, Indiana University Press, 1994

(12) Kapital, Band 1, 2. Abschnitt/4.Kapitel, 3. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft, eigene Hervorhebung

(13) Diese Klassenheterogenität ist nicht einzigartig in der Prostitution. Man kann hier eine Analogie zur Bauernschaft sehen, die von ans Land gebundenen Untertanen über kleine Bauer, die nur Produkte ihrer eigenen Arbeit (und der ihrer Familie) verkaufen, bis hin zu reichen Farmern, die andere anstellen.

(14) R. Perkins, Working girls: prostitutes, their life and social controll, Australian Institute of Criminology, 1991

(15) Natürlich können Klienten Prostituierte prellen und tun dies auch, indem sie sich weigern, für die Dienstleistung zu bezahlen. Doch dies ist Diebstahl und nicht Ausbeutung.

(16) Eine Ausnahme davon ist, wo Familie eine produktive Einheit darstellt, was am häufigsten in bäuerlichen oder frühen industriellen Gesellschaften vorkommt, wo der Ehemann sowohl Haushaltsvorstand ist als auch der Chef des Unternehmens ist und die Arbeit seiner Frau und Kinder ausbeutet.

(17) Sonagachy Project, Sex worker´s manifesto, Calcutta, 1977, auf HYPERLINK "http://www.bayswan.org/manifest.html" www.bayswan.org/manifest.html

(18) Details dieser Ausstellung, die bis Ende März 2006 lief, sind zu sehen auf HYPERLINK "http://www.londonmet.ac.uk/thewomenslibrary/whats-on/prostitution.cfm" www.londonmet.ac.uk/thewomenslibrary/whats-on/prostitution.cfm

(19) HYPERLINK "http://en.wikiquote.org/wiki/Julie_Burchill" http://en.wikiquote.org/wiki/Julie_Burchill

(20) Durbar Mahila Samanwaya Commitee, auf HYPERLINK "http://www.durbar.org" www.durbar.org

(21) G.Gall, Sex Worker Union Organising, Palgrave Macmillan, 2006

Helen Ward, eine Unterstützerin der Gruppe Permanent Revolution, ist eine im öffentlichen Gesundheitswesen angestellte Ärztin und Forscherin, die seit über 20 Jahren mit Sexarbeiterinnen in London und Europa arbeitet. Gemeinsam mit der Anthropologin Sophie Day hat sie Forschungen über HIV und andere Gesundheitsrisiken, Beschäftigungsmobilität und Lebenszyklen in der Sexarbeit durchgeführt und eines der größten Projekte für Sexarbeiterinnen in Britannien aufgebaut. Sie ist eine Unterstützerin der International Union of Sex Workers.

 

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