Peugeot Frankreich: Die Arbeiter/innen wehren sich

 

In dieser Zeit der Krise kennen die großen Industriellen aller Länder nur eine Strategie: sich die fehlenden Profite bei der Belegschaft zu holen. Aber die französischen Kolleg/inn/en können sich auch wehren.

 

Peugeot gehört zu den größten Firmen Frankreichs und besitzt Betriebe in verschiedenen Regionen des Landes. Da die arbeitende Bevölkerung immer weniger Geld hat, verkauft Peugeot immer weniger Autos. Der Markt wird zu klein, damit die Kapitalist/inn/en zu ihrem Geld kommen. Die Leitung produziert also weniger, schließt ganze Produktionslinien und wirft Arbeiter/innen hinaus... natürlich die Leiharbeiter/innen zuerst. Diejenigen, die bleiben, müssen aber genauso viel arbeiten, wenn nicht mehr und schneller.

So plante in der Stadt Rennes die Peugeot-Leitung, die Arbeitszeiten zu ihren Gunsten zu ändern, indem die Kolleg/inn/en um 5:00 hätten anfangen sollen. Dabei wollte sie auch die Prämie für diese frühe Anfangszeit, die nicht weniger als einen Monatslohn pro Jahr darstellt, kündigen. Sie wollte auch eine sogenannte "täglich Produktionsgarantie" einführen, um sich mehr Flexibilität in der Arbeitszeit zu sichern. Dabei hätten also die Arbeitenden möglicherweise länger bleiben müssen oder spontan am Samstag kommen, um die von der Leitung gewünschte Produktion zu erreichen. Und ihre letzte Idee: keine Busse in der Früh mehr für die Beschäftigten zur Verfügung zu stellen.

Die CGT (die dortige Gewerkschaft) hat aber sofort zu einem Warnstreik aufgerufen, der zum Zeitpunkt der offiziellen Verhandlungen mit der Leitung stattgefunden hat. Es waren etwa 800 Arbeitende beteiligt. Angesichts dieser Reaktion haben die Chefs angekündigt, dass sie die Frage der Prämie noch einmal abwägen würden. Wahrscheinlich wurden sie von dem Slogan der Arbeiter/innen beeindruckt: "Die Stärke der Arbeitenden ist der Streik!"

In der Stadt Poissy versucht die Peugeot-Leitung, so schlechte Arbeitsbedingungen wie möglich aufzuzwingen, damit die Leute von sich aus gehen und somit keine Abfertigung kriegen. Und wenn es nicht klappt, werden die Kolleg/inn/en mit den dubiosesten Vorwürfen manchmal gekündigt. So wurde ein Arbeiter dort beschuldigt, ein Paar Handschuhe gestohlen zu haben, nur weil er sie am Abend in seiner Tasche gelassen hatte. Der Arbeiter wollte nur sicher gegen, dass er am nächsten Tag welche zum Arbeiten hatte... Denn ja, in dem Bereich sparen die Chefs auch und es gibt nicht genug Handschuhe für alle. Seine Kolleg/inn/en haben sofort gestreikt, um ihn zu unterstützen. Wie es weiter geht, weiss man noch nicht.

In dem Peugeot-Betrieb von Mulhouse wird die Leitung die Produktion im Sommer senken und 450 Leiharbeiter/innen kündigen. Dabei wird die Arbeitslast für die Anderen umso schwerer. Und diese Politik wird seit Jahren geführt. Eine Handvoll Leiharbeiter/innen haben also in den letzten Wochen Warnstreiks organisiert, um diese Situation anzuprangern. Dabei hat sie die Gewerkschaft unterstützt, und sie lassen sich nicht von den Drohungen der Chefs einschüchtern. Sie sind sich dessen völlig bewusst, dass man die vorhandene Arbeit unter allen verteilen sollte: so wäre der Rhythmus erträglicher und alle würden ihre Stelle behalten.

Überall versuchen die Großbetriebe ihre Profite auf unsere Kosten aufrechtzuerhalten. Dass sie weniger Dividende ausschütten könnten, kommt für sie nicht in Frage. Es ist ihnen egal, wenn sie uns dabei das Leben schwer machen oder sogar zerstören. Die Kapitalist/inn/en in der ganzen Welt machen alle das Gleiche. Wir sollten also dasselbe machen: kollektiv reagieren und uns wehren. Diese Leute werden uns nichts schenken, im Gegenteil. Nur unsere Stärke zählt. Wir müssen und wir können ihnen zeigen, dass wir auch ein Recht auf ein würdiges Arbeitsleben haben und dass wir imstande sind, uns durch unsere Mobilisierung zu verteidigen. Denn ohne uns funktioniert kein Betrieb.

Hannes Meyer

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