„Unser Daham“: das Lager der arbeitenden Bevölkerung

 

5.10.2020

 

Stellenabbau, Entlassungspläne, Firmenschließungen: Jede Woche erfahren tausende von Arbeiter/innen, Angestellten, Techniker/innen und Ingenieur/innen, dass ihre Arbeitsplätze bedroht sind. Das ist bereits der Fall in Großbetrieben wie AUA, Swarovski, Voest, ATB (Steiermark), MAN, usw. Und wie viele andere Unternehmen im Handel, in der Gastronomie, in den Dienstleistungen machen dasselbe? Welcher Betrieb bereitet nicht seinen Plan vor, um Arbeitsplätze abzubauen, die Flexibilität zu erhöhen, feste Verträge durch prekäre Verträge zu ersetzen? Überall um uns herum können wir die Zunahme der Arbeitslosigkeit und der unsicheren Arbeitsverhältnisse spüren. Offiziell sind über 400.000 Menschen in Österreich arbeitslos und mehr als 300.000 Beschäftigte noch in Kurzarbeit. Und niemand in der Arbeiterschaft kann sicher sein, dass er gegen diese Angriffe immun ist.

 

Im Gegenteil, die Gesundheitskrise wird zu einer Verschärfung des sozialen Krieges führen, den die Chefs und Großaktionäre gegen die einfache Bevölkerung führen.

 

Angesichts dieser Situation hat die Regierung ein “Konjunkturpaket „zur Belebung der Wirtschaft“ beschlossen: Bis zu 50 Milliarden Euro stehen bereit, für Steuersenkungen, Investitionsprämien für Unternehmen, Finanzierung des Kurzarbeitsgelds. Türkis-Grün behauptet so, dass alle davon profitieren, wenn man die Wirtschaft rettet. Als ob wir alle am selben Strang ziehen würden. Als ob Haselsteiner und ein Bauarbeiter, Mateschitz und eine Kindergärtnerin oder Kurz und ein/e Reinigungsbeschäftigte/r die gleichen Interessen hätten. In Wirklichkeit weiß jeder, dass vor allem die Wohlhabenden - diese 1% der österreichischen Bevölkerung, die mehr als 40% des ganzen Reichtums des Landes besitzen -, die Besserverdiener, die Spekulanten von diesem Konjunkturpaket profitieren werden. Die Arbeiter/innenklasse wird ärmer und die Gesellschaft wird um Jahre zurückgeworfen, damit eine kapitalistische Minderheit weiterhin den Rahm abschöpfen kann in einem System, das vom wahnsinnigen Wettbewerb ausgelaugt ist.

 

Gleichzeitig hetzen ständig andere Politiker wie die der FPÖ gegen die „Ausländer“ oder gegen die „Muslime“ und machen sie für alles schuldig … dadurch brauchen sie die Vermögenden, die die Gesellschaft wirklich beherrschen, nie anprangern. Sie behaupten so die „österreichischen“ oder „christlichen“ Werte zu verteidigen. Naja und welche Werte sollten verteidigt werden? Diejenigen des sogenannten „zivilisierten“ Westens, die zu zwei Weltkriegen in einem Jahrhundert geführt haben? Diejenigen einer Kirche, in der jahrzehntelang sexueller Missbrauch an Kindern oder Frauen verübt und dann verschwiegen wurde? Kardinal Schönborn selbst hat vor einem Jahr zugegeben, dass sexueller „Missbrauch in der Kirche eine massive Realität“ ist.

 

Tatsächlich ergeben sich die Hauptunterschiede in Österreich wie überall auf der Welt, nicht aus dem Zufall, in welchem Land man geboren wurde, oder aus seinem Glauben, sondern daraus, ob man arm oder reich ist, ob man auf einen Job angewiesen ist oder von der Arbeit anderer lebt. Und wie viele Arbeitende, die aus anderen Regionen der Welt stammen oder eine andere Religion haben, haben während der Ausgangssperre dazu beigetragen, dass die Krankenhäuser und die Pensionistenheime gereinigt, dass die Felder bebaut, dass das Gemüse und das Obst geerntet wird? Ohne sie wäre die ganze Wirtschaft stillgestanden. Sie waren hundertmal nützlicher als viele korrupte österreichische Politiker.

 

Das ist eine Lehre, die wir nicht vergessen dürfen. Ja, die arbeitende Bevölkerung ist in ihrer Gesamtheit unersetzlich. Seit dem Anfang der Corona-Epidemie hat sie das in allen Branchen der Wirtschaft erneut bewiesen. Wir bringen alles zum Laufen. Wir wissen, wie alles funktioniert. Gemeinsam organisiert können wir die Welt verändern. Der erste Schritt ist ein menschenwürdiges Leben für alle entschlossen zu verteidigen.

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