ARKA-Texte zum Organisationsaufbau

Thesen zu revolutionärer Betriebs-und Gewerkschaftsarbeit

Für eine revolutionäre Arbeiter/innen/organisation!

 

Marxismus-Broschüre Nr. 36, Februar 2012, 28 Seiten A5, 3 Euro (plus Porto)

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Vorwort

Die herrschende Kapitalist/innen/klasse ist gut organisiert. Sie haben ihre Unter-nehmer/innen/verbände, ihre internationalen Institutionen, ihre Regierungen und ihre Staatsapparate. Die Lohnabhängigen hingegen stehen schlecht organisiert da. Die Sozialdemokratie, die Gewerkschaftsführungen und die Grünen sind voll in das Funktionieren des Systems eingebunden. Sie orientieren sich auf ein illusionäres „sozialeres" Funktionieren des Kapitalismus und verwalten die Politik des Großkapitals und die Angriffe auf die Arbeiter/innen/klasse mit.

Die Lohnabhängigen brauchen ihre eigenen Organisationsstrukturen, die im tagtäglichen Klassenkampf aktiv die Interessen unserer Klasse vertreten – eine antikapitalistische, sozialistische, revolutionäre Arbeiter/innen/partei. Eine solche Partei soll einerseits das historische Gedächtnis unserer Klasse sein, sodass Erfahrungen nicht immer neu gemacht werden müssen. Andererseits soll eine revolutionäre Partei auch das Organisations-und Propagandazentrum des Klassenkampfes sein. Die Mitglieder dieser Partei müssen ein grundlegendes Verständnis der kapitalistischen Klassengesellschaft und der notwendigen Perspektive ihrer revolutionären Überwindung haben und sich auf eine aktive Mitarbeit verpflichten.

Wir denken, dass nur die Arbeiter/innen/klasse die Hauptkraft einer grundlegen-den, revolutionären Gesellschaftsveränderung sein kann –nicht aufgrund ihres aktuellen oder zukünftig möglichen Bewusstseins, sondern aus strukturellen Gründen. Nur die Arbeiter/innen/klasse ist so im Produktionsprozess platziert, in diesem Prozess ausgebildet, organisiert und für ihn unentbehrlich, dass sie ihn übernehmen kann. In diesem Sinn hat der Kapitalismus selbst die Trägerin der Revolution bestimmt.

Im deutschsprachigen Raum hat die antikapitalistische Linke besonders schwachen Einfluss in der Arbeiter/innen/klasse und insbesondere in den ökonomisch und politisch entscheidenden Großbetrieben. Dieser Zustand kann nicht durch irgendwelche besonders listige Kampagnen, durch Wahlbündnisse von irrelevanten Gruppierungen oder durch Druckausüben auf Sozialdemokratie, Gewerkschaftsbürokratie oder Grüne verändert werden. Notwendig ist vielmehr eine Politik der systematischen und geduldigen eigenständigen Verankerung der revolutionären Organisation in der Arbeiter/innen/klasse, insbesondere in den Großbetrieben, wo viele Lohnabhängige konzentriert sind.

Viele linke Gruppierungen, die einen marxistischen Anspruch haben, sprechen abstrakt vom Proletariat, entwickeln aber real keine Politik in Richtung der Betriebe und sind oftmals in der linken, stark studentisch geprägten Subkultur gefangen. Mitglieder unserer Organisation haben hingegen schon vor einigen Jahren mit systematischen Interventionen in Großbetriebe begonnen. Die Grundlage dafür waren die bereits 2004 von Mica Jovanovic und Eric Wegner verfassten und von unserer Vorläuferorganisation AGM (Arbeitsgruppe Marxismus) beschlossenen Thesen zu revolutionärer Betriebs-und Gewerkschaftsarbeit, die wir hier abdrucken.

In diesen Thesen wird ausgeführt, warum die Tätigkeit als „linke/r" Gewerkschaftsfunktionär/in ohne politische Verankerung an der Basis oder einmalige Verteilaktionen vor Betrieben nichts bringen. Es werden einige Richtlinien für kontinuierliche Betriebsarbeit von innen, vor allem für den Aufbau von Betriebs-gruppen, gegeben. Und es wird, für den Fall, dass dafür noch nicht die nötige Stärke erreicht ist, erläutert, wie kontinuierliche Betriebsinterventionen angelegt werden können: Wichtig sind dafür vor allem Mitglieder oder Kontakte im Betrieb (die Infos und Rückmeldungen geben können) und eine Kontinuität der Arbeit.

Was 2004 ein theoretisches Konzept war, das sich auf Erfahrungen anderer im In-und Ausland gestützt hat, setzen wir mittlerweile seit einigen Jahren in die Praxis um. Dabei zeigt sich, dass sich unser Konzept bewährt. Immer wieder sind wir, angesichts des seit Jahrzehnten niedrigen Klassenkampfniveaus in Österreich, überrascht über die positiven Rückmeldungen von Kolleg/inn/en aus den Betrieben und von der Sympathie, die uns oft entgegen schlägt. Ein Kernelement unserer Interventionen sind Betriebsflugblätter, die monatlich innerhalb der Betriebe zirkuliert und von außen verteilt werden. Sie bestehen jeweils aus einem allgemeinpolitischen Artikel zu einer mehr oder weniger aktuellen Frage auf der Vorderseite, der auf den Flugblättern aller Betriebe gleich ist. Auf den Rückseiten finden sich jeweils Kurzartikel, überwiegend zu innerbetrieblichen Fragen und Problemen.

Die Thesen waren ein sehr guter Ausgangspunkt für unsere Betriebsinterventionen, aber es konnten natürlich nicht die Erfahrungen, die wir seitdem gemacht haben, einfließen. In manchen Bereichen waren und sind Konkretisierungen unserer Positionen notwendig. Zum Beispiel hat sich gezeigt, dass wir in Hinblick auf Diskussionen und die Einbindung von neuen betrieblichen Kontakten erst einiges lernen mussten. Vor allem aber wurde deutlich, dass es nicht ausreicht, einmal im Monat ein Betriebsflugblatt zu verteilen und ansonsten so weiter zu funktionieren, wie diverse (von der linken Subkultur geprägte) linke Gruppierungen.

Vielmehr ist es notwendig, die gesamte Organisation in ihrem Funktionieren auf die Arbeiter/innen/klasse und auf das Ziel einer revolutionären proletarischen Partei auszurichten und mit vielen Sitten der linken Szene zu brechen. Um diese Fragen geht es in dem zweiten Text, den wir hier veröffentlichen: Für eine revolutionäre Arbeiter/innen/organisation! Darin beschäftigten wir uns mit dem Stand der revolutionären Bewegung, mit der Frage „Welche Organisation brauchen wir?" und mit der Haltung gegenüber der linken Szene.

Dieses Dokument wurde im Oktober 2011 in seine endgültige Form gebracht und ist eine Art Gründungsdokument der Organisation arbeiter.innen.kampf (ARKA). Entstanden ist dieses Dokument in einem Selbstverständigungs-und Loslösungsprozess von unserer Vorläuferorganisation RSO (Revolutionär Sozialistische Organisation). Wir haben aus dem Text, um ihn für Außenstehende besser lesbar zu machen, zwar sämtliche RSO-internen Stellen entfernt, dennoch trägt er in manchen Aspekten die Muttermale des Entstehungszusammenhangs. Wir denken aber, dass er für diejenigen, die sich für unsere Organisation interessieren, trotz-dem wertvoll ist, weil darin viele unserer Grundpositionen zum Organisationsaufbau ausgeführt sind.

Das Ziel des ARKA ist der Aufbau einer revolutionären Arbeiter/innen/organisation, die sich auf ein festes und tief gehendes politisches Fundament stützt und die in Großbetrieben verankert ist. Dementsprechend sind die Schwer-punkte unserer Tätigkeit gesetzt: Erstens betreiben wir systematische Interventionen in Großbetrieben, die wir noch vertiefen und ausweiten wollen. Zweitens geht es uns um eine tief gehende politisch-theoretische Ausbildung unserer Mit-glieder und die Herausbildung eines stabilen revolutionären Kaders. Drittens wollen wir auf dieser Grundlage und für diese Ausrichtung neue Mitglieder gewinnen, insbesondere aus der Arbeiter/innen/klasse und der Jugend.

ARKA, Februar 2012