Geschichte von Lutte Ouvrière (LO)

 

Unser neues Buch beschäftigt sich mit der Geschichte der französischen trotzkistischen Organisation Lutte Ouvrière, die wie kaum eine andere in Großbetrieben verankert ist. Das vorliegende Buch ist eine Übersetzung eines ausführlichen Interviews mit Robert Barcia, einem jahrzehntelang führenden Aktivisten von LO.

Die französische trotzkistische Organisation Lutte Ouvrière (Arbeiterkampf) orientiert sich seit Jahrzehnten auf systematische revolutionäre Arbeit in der Arbeiterklasse und besonders in den Großbetrieben. Die Herkunft, die Geschichte und das Gedankengut dieser politischen Gruppe bleiben jedoch im deutschsprachigen Raum wenig bekannt. Das vorliegende Buch füllt diese Lücke.

Und wer könnte die wahre Geschichte von Lutte Ouvrière besser erzählen als Robert Barcia? Als einer ihrer wichtigsten Gründungsmitglieder hat er Lutte Ouvrière maßgeblich aufgebaut. In diesen Interviews mit dem Journalisten Christophe Bourseiller erzählt Robert Barcia von seinem Leben, angefangen bei seinen ersten politischen Aktivitäten und seiner Zeit im Gefängnis während des Zweiten Weltkriegs. Es ist die Geschichte eines Aktivisten, der sein Leben lang dafür gekämpft hat, eine Organisation zu schaffen, die die revolutionären kommunistischen Ideen in der Arbeiterklasse am Leben erhält und verteidigt.

Sein Leben ist damit zugleich die oft verkannte Geschichte von Lutte Ouvrière. Man erfährt, wie und warum die politische Strömung von Lutte Ouvrière während des Zweiten Weltkriegs entstanden ist, welche Haltung sie in verschiedenen politischen Ereignissen eingenommen hat, wie sich die Organisation entwickelt hat, wie sie aufgebaut ist und funktioniert. Das alles in der lebendigen Form eines Interviews, in dem einfachen, oft humorvollen Gesprächston eines Mannes, der – wie der Journalist feststellen wird – durch seine Einfachheit und Bescheidenheit auffällt.

Robert Barcia ist 2009, kurz vor seinem 81. Geburtstag verstorben. Zum Glück hat er uns diese Geschichte hinterlassen.

Die Geschichte von Lutte Ouvrière
Gespräche mit Robert Barcia
Marxismus-Buchreihe Nr. 35
März 2016
256 Seiten A5, 9 Euro (plus Porto)
Das Buch kann über arka.org@gmx.at bestellt werden.

Inhalt

Editorial (Eric Wegner / ARKA)
Einleitung für die deutsche Ausgabe (Alice Morgen / LO)
Vorwort von Christophe Bourseiller

Die Geschichte von Lutte Ouvrière
Gespräche mit Robert Barcia
Warum dieses Buch
Die ersten Jahre
Die erste politische Erfahrung
Die Gruppe Barta
Der Streik bei Renault
Die Krise der Union Communiste
Der Gang durch die Wüste
Voix Ouvrière und die Stationen des Wiederaufbaus
Mai 68 und das Verbot von Voix Ouvrière
Lutte Ouvrière
Arlette Laguiller
Heute... und morgen
Chronologie

Editorial

Wir veröffentlichen hier die Erinnerungen von Robert Barcia, einem jahrzehntelang führenden Aktivisten der französischen trotzkistischen Organisation Union Communiste (UC), besser bekannt unter dem Namen ihrer Zeitung Lutte Ouvrière (LO). Wir denken, dass alle kämpferischen Arbeiter/innen und alle revolutionären Aktivist/inn/en von den hier formulierten Erfahrungen profitieren können.

Die LO ist eine der weltweit bedeutendsten trotzkistischen Organisationen, da sie zumindest ansatzweise über eine Verankerung in Teilen der Arbeiter/innen/klasse verfügt. In mehreren hundert Großbetrieben in Frankreich gibt sie alle zwei Wochen ein Betriebs-flugblatt heraus und stützt sich dabei oft auch auf Betriebsgruppen von revolutionären Arbeiter/inne/n. Möglich geworden ist das nur durch eine jahrzehntelange systematische Ausrichtung auf die Lohnabhängigen und insbesondere auf Betriebsarbeit.

Einige Aktivist/inn/en unserer Organisation arbeiter.innen.kampf (ARKA) haben bereits seit etwa 15 Jahren Kontakt mit Genoss/inn/en von LO. Begonnen hat das anfänglich ziemlich lose, damals noch im Rahmen der früheren Arbeitsgruppe Marxismus (AGM), systematisiert wurde der Austausch im Jahr 2011 mit der Gründung der ARKA.

Im Unterschied zu der bei vielen linken Gruppierungen verbreiteten Großspurigkeit und Aufschneiderei hat uns bei LO von Anfang an ihr – trotz ihrer Erfolge – bescheidenes Auftreten gefallen. Beeindruckt waren wir aber besonders von ihrer geduldigen langfristigen Betriebsarbeit und ihrem Realismus bei der Einschätzung von Situationen. Wiedergefunden haben wir uns darin, dass die LO Taktiken nicht phrasenhaft im luftleeren Raum entwickelt, sondern stets von Kräfteverhältnissen in der Gesellschaft und der Arbeiter/innen/klasse abhängig macht.

Der intensivere Austausch der letzten Jahre hat für uns – auch in Abgrenzung zu verbreiteten Klischees über die LO – ein besseres Verständnis für ihre Politik und eine politische Annäherung gebracht. Verblieben sind nur noch sehr wenige Meinungsverschiedenheiten (etwa in der Einschätzung der stalinistischen Staaten in Osteuropa).

Insgesamt repräsentiert die LO für uns eine beeindruckende hartnäckige und realistische Betriebsarbeit und eine Konsequenz und Verlässlichkeit ihrer Mitglieder – kombiniert mit im positiven Sinne „orthodoxen" kommunistisch-trotzkistischen Positionen zum bürgerlichen Staat, zur proletarischen Revolution und zur eigenständigen revolutionären Partei der Arbeiter/innen/klasse.
Ausdruck des jahrelangen politischen Austausches und des entstandenen gegenseitigen Vertrauens ist die Veröffentlichung dieses Buches in unserer Marxismus-Reihe. Das Gespräch mit Robert Barcia wurde von den Genoss/inn/en von LO selbst übersetzt und mit einem Vorwort für die deutschsprachige Ausgabe versehen.

Wir wollen mit dieser Publikation die Erfahrungen der LO deutschsprachigen Interessierten zugänglich machen (auch gegenüber diversen Verleumdungen, denen die LO von Seiten Bürgerlicher oder von Seiten der kleinbürgerlichen Linken immer wieder ausgesetzt war). Die Ausführungen von Robert Barcia können besonders für diejenigen wertvoll sein, die eine revolutionäre Partei in der Arbeiter/innen/klasse aufbauen wollen.

Darüber hinaus ist der vorliegende Text auch eine Führung durch die französische Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg – aus der Sicht eines revolutionären Arbeiteraktivisten. Durch die Interviewform ist der Text leicht und angenehm zu lesen. Wir freuen uns, diesen Text der deutschsprachigen Öffentlichkeit vorzustellen.

Eric Wegner / ARKA
Wien, Januar 2016