18.8.2026
Ende Juli flüchteten plötzlichen rund 70.000 junge Leute aus Marokko in die spanischen Enklave Ceuta – von denen fast alle sofort nach Marokko zurückkehrten. Zahlreiche europäische Politiker/innen haben sich daraufhin mit fremdenfeindlichen Tönen übertroffen.
Die österreichische Außenministerin Meinl-Reisinger erklärte, Europa dürfe nicht ein weiteres Mal „überrannt“ werden und forderte europäische Härte. Die Härte, die sie meint, führt seit 2014 zu 34.000 dokumentierten Toten, jenen Geflüchteten, die im Mittelmeer ertrunken sind – und unzähligen nicht Dokumentierten.
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und die Sozialdemokratin aus Dänemark Mette Fredriksen finden sich auf der gleichen Seite wieder. Die sozialdemokratischen Werte hindern die dänische Politikerin nicht mit der rechtsextremen Meloni ins selbe Boot zu steigen. Sie faseln etwas vom „Schutz des christlichen Erbes Europas“, und prangern die angebliche „unkontrollierte Einwanderung“ an. Sie fordern die Einrichtung von Abschiebezentren in Ländern außerhalb der EU, wie beispielsweise in Albanien, wo Italien solche Gefängnisse errichtet hat, um dort Migrant/innen ohne Papiere unterzubringen.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz will, dass Italien und Griechenland die Asylwerber/innen zurücknehmen, die nach ihrer Ankunft in einem dieser beiden Länder nach Deutschland gelangt sind. Er bezieht sich auf das am 12. Juni von allen EU-Ländern unterzeichnete Abkommen. Alle schieben diese Frauen und Männer wie heiße Kartoffeln hin und her, obwohl diese nach Europa gekommen sind, um zu arbeiten und ihre Familien ernähren zu können – oft auf der Flucht vor Krieg oder Diktatur.
Die EU ist kein Paradies, sondern eine Festung mit Grenzen, die teilweise mit Zäunen und Stromschranken gesichert sind. Die Grenzschutzagentur Frontex verfolgt gnadenlos die Armen, die versuchen, in die EU zu gelangen. Aber die Wirtschaft dieser reichen Festung könnte ohne die Arbeitskraft und die Köpfe der Arbeitsmigrant/innen nicht funktionieren. Die härtesten Bereiche – in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, in der Industrie, in der Reinigungsbranche, im Gesundheitswesen und in der Pflege – könnten ohne diese Arbeitskräfte zusperren, unabhängig davon, ob sie über gültige Papiere verfügen oder nicht. Selbst Meloni hat seit ihrem Amtsantritt rund 900.000 Arbeitserlaubnisse an Nicht-Europäer/innen ausgestellt.
Es sind nicht einige Hunderttausend oder gar einige Millionen Migrant/innen, die Arbeitsplätze, Wohnungen und Krankenhäuser bedrohen, sondern es sind die Kapitalisten und die Regierungen, die diese schließen oder zerstören. Gegen diese müssen die Arbeiter/innen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund, mit oder ohne Papiere – ihre Kämpfe vereinen.