Obdachlosen – Mörder: Arbeiter/innen – Mörder!

 

24.8.2023

 

In den Sommerwochen wurden zwei obdachlose Männer und eine Frau in Wien im Schlaf mit Messern niedergestochen. Die beiden Männer sind an den Verletzungen gestorben, die Frau hat nach Notoperationen überlebt. Die Polizei geht von einem Serienmörder aus, genaueres wurde aber bisher nicht bekannt. Bereits im Juli kamen drei Jugendliche in der Steiermark vor Gericht, da sie eine obdachlose Frau so verprügelt hatten, dass diese fast starb und das auch noch stolz gefilmt hatten. Der wahre Abschaum der Gesellschaft zeigt sich hier durch solche hinterhältigen und feigen Taten!

Die meisten Obdachlosen sind Arbeiter/innen, und zwar die ausgebeutetsten unter ihnen. Viele von ihnen arbeiten für wenig Geld in Putzereien, in Küchen oder auf Baustellen. Sie sind ständig bedroht, ihr Einkommen zu verlieren, darum geprellt zu werden und stehen vor einem großen Fragezeichen, wenn es um ihre Zukunft geht. Es gibt darunter Kellner/innen und Küchenhilfen, die im Park schlafen, da die Mieten zu teuer sind. Es gibt Bauarbeiter, die, um sich die Miete zu sparen und das Geld den Kindern und der Familie zu schicken, auf der Parkbank schlafen. So berichtet ein Betreuer eines Schlafquartiers, dass unlängst zwei Obdachlose um 4 Uhr morgens geweckt werden wollten, da sie zum Putzen in die Firma mussten. Sobald sie krank werden, stehen sie vor dem Nichts. Viele waren auch Arbeiter/innen in schweren Berufen und wurden krank, sodass sie jetzt kein Geld und keine Wohnmöglichkeit mehr haben.

Während Österreich sich einerseits seiner tollen Lebens- und Arbeitsbedingungen rühmt, gibt es eine riesige Schattenseite, nämlich Wanderarbeiter/innen, die auf der Straße und in Obdachloseneinrichtungen nächtigen und sich ganz prekär durchs Leben schlagen, wie vor 150 Jahren. Ohne Arbeitsschutzgesetzgebung und mit großer Furcht vor Abschiebung, sind sie allen Gefahren ausgesetzt, inklusive jetzt einem brutalen Arbeiter/innenmörder.

Laut Statistik Austria haben 6% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens einmal eine Phase von Obdach- oder Wohnungslosigkeit erlebt. Das sind hochgerechnet 300.000 – 440.000 Menschen. Die Zahl ist steigend und es betrifft immer Jüngere, was bei den Mietsteigerungen gar nicht verwunderlich ist.

In Wien, der „lebenswertesten Stadt der Welt“ ist das Grundrecht auf ein Dach über dem Kopf und jetzt auch das Recht auf Leben und Unversehrtheit gar nicht garantiert.

Das Mindeste in so einer Situation sollte sein, alle verfügbaren Räume zu öffnen und Kapazitäten auszubauen, damit niemand auf der Straße schlafen muss. Sozialarbeiterische und psychologische Teams auszuschicken, die nach den Plätzen sehen, damit alle, die auf der Straße schlafen, unbürokratisch einen Nächtigungsplatz bekommen können. Notquartierplätze wurden bisher nur nach langem Anstellen und Warten für eine oder wenige Nächtigungen vergeben. Und trotz Teuerungen und steigenden Zahlen werden die Schlafplätze seit Jahren reduziert, Notquartiere und Nächtigungsmöglichkeiten zugesperrt. Es muss möglich sein, dass Obdachlose, die einen Schlafplatz brauchen, unbürokratisch auch einen bekommen.

Die Morde sind nichts anderes als eine Ausgeburt des Kapitalismus, ein Höllenkind, das der Brutalität der Profitemacherei und der Verarmung eines immer größeren Teils der Gesellschaft entspringt. Je brutaler sich diese Gesellschaft im Namen des Profits für eine Minderheit entwickelt, desto brutaler werden auch die Opfer dieser Gesellschaft – Arbeiter/innen – behandelt. Mit der gleichen Brutalität, mit der sie in den Jobs ausgetauscht werden, wenn sie nicht mehr funktionieren, mit der sie um ihre Löhne geprellt werden, mit der sie ihre Wohnungen verlieren, wenn sie sich die Mieten nicht leisten können –  mit der gleichen Brutalität und Verachtung, haben die Mörder hier zugeschlagen. Und das ist die Verachtung den Arbeiter/innen gegenüber durch die kapitalistische Gesellschaft.

Aber die Arbeiter/innen werden nicht ewig Opfer sein, sie sind die größte soziale Kraft, die es gibt. Sie sind in der Lage den Kapitalismus zusammen mit seinen Bestien zu stürzen und eine andere Gesellschaft aufzubauen, die weder Obdachlosigkeit noch Arbeiter/innenmörder kennt. 

 

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