Der Jobzerstörer bei MAN im Schlammbad der Korruption

 

17.1.2022

 

Siegfried Wolf, der Kapitalist, der das MAN-Steyr-Werk letztes Jahr gekauft hat, steht im Mittelpunkt eines aktuellen Korruptionsskandals. Es scheint, dass er es 2017 geschafft hat, einen Steuernachlass von 4 Millionen Euro zu bekommen (statt 11 Mio. musste er nur 7 Mio. zahlen). Neu aufgetauchte SMS-Chats belasten ihn und Thomas Schmid, den guten Spezi vom Ex-Kanzler Kurz. Es tauchten aber auch die Namen des ehemaligen Kanzlers Schüssel und des früheren Finanzministers Schelling auf, die für Herrn Wolf anscheinend ebenso den roten Teppich ausgerollt haben dürften, damit der „Arme“ weniger Steuern zahlt.

Noch im Oktober hat Siegfried Wolf in einem Interview mit der Presse behauptet: „Ich lebe Verantwortung.“ Er stellte es so dar, als wäre durch seine großartigen unternehmerischen Fähigkeiten das Werk in Steyr gerettet worden. Dabei war der Standort bei der Übernahme und in den letzten Jahren höchst profitabel. Unter Verantwortung verstand er offenbar etwas anderes, nämlich Jobabbau von hunderten Stellen sowie Lohnkürzungen. Er hat die Arbeiter/innen im Steyr Werk erpresst: Entweder sie akzeptierten die Verschlechterungen oder konnten gehen. Viele sind wegen des Drucks von selbst gegangen. So konnte er behaupten es gab in Steyr keine Entlassungen. Das Einzige, wofür dieser Typ wirklich lebt, ist sich noch mehr zu bereichern und dabei die Beschäftigten auszupressen.

Thomas Schmid, damals Generalsekretär beim Finanzministerium, scheint jedenfalls tatkräftig für ihn interveniert zu haben. Er schrieb einem Kabinettsmitarbeiter per SMS, der sich bei der Angelegenheit skeptisch über den Steuernachlass zeigte: „Vergiss nicht – du hackelst im ÖVP-Kabinett!! Du bist die Hure für die Reichen!“ Deutlicher kann man nicht ausdrücken, wozu Ministerkabinette und der ganze Regierungsapparat vor allem dienen. Thomas Schmid erregte bereits früher Aufsehen, als seine Chatnachrichten veröffentlicht wurden, in denen er nicht mit „dem Pöbel“ in einer Warteschlange stehen wollte … Seine Arroganz der arbeitenden Bevölkerung gegenüber, erinnert an die Zeit der Monarchie und der Adeligen. Aber was bei ihm schwarz auf weiß rausgekommen ist, trifft für viele zu, die derzeit in einem Finanzskandal verwickelt sind (und es gibt viele!). Für solche Leute ist es völlig normal, sich privilegiert zu fühlen und der Ansicht zu sein, dass man sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern kann. Diese Heuchler sind dieselben, die uns ständig erklären, dass wir zu viel kosten, dass wir nicht genug arbeiten, dass wir zu viel verlangen, dass man die Löhne nicht erhöhen kann und dass es kein Geld fürs Gesundheitswesen, für die Schulen, für die Bahn, für die Öffis gibt, also schlicht und einfach für alles, was für die arbeitende Bevölkerung nützlich ist.

Für sie gibt es nur das Wohl der Reichen und der Großaktionäre; die Arbeitenden sollen nur arbeiten, zahlen und schweigen. Aber welcher Briefträger, welche Krankenschwester, welcher Bauarbeiter, welche Kassiererin kann heute einen Schmid per SMS um Hilfe bitten, wenn sie/er finanzielle Probleme hat? Keine/r, natürlich. Nicht alle Politiker/innen sind zwar so präpotent und so verachtend wie Thomas Schmid, aber alle sind mit der Welt der Kapitalisten durch zahlreiche soziale und menschliche Beziehungen verbunden. Ein Ohr werden sie für die Bedürfnisse der Reichen immer haben. Aber sie werden hingegen nie irgendeine Maßnahme ergreifen, die dem Profit schaden könnte. Daher dürfen wir Arbeitende keine Illusion haben. Von den Berufspolitiker/innen wie vom ganzen kapitalistischen System mit seinen Wolfs und Konsorten gibt es für uns nichts zu erwarten. Wenn wir unsere Situation ändern wollen, wenn wir in dieser Krisenzeit unsere Arbeits- und Lebensbedingungen verteidigen und verbessern wollen, können wir nur auf unsere kollektive Kraft zählen.

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