Mit erhobenem Haupt gegen die Immobilienhaie 

 

 

15.10.2026

 

In Spanien gibt es seit September große Demonstrationen und Protestcamps gegen die Wohnungskrise, ausgelöst durch die Delogierung einer 87-jährigen Frau. Ihre Miete war in kurzer Zeit von 500 Euro auf 2.600 Euro erhöht worden, nachdem ein Großinvestor die Wohnung, in der sie seit 70 Jahren lebte, gekauft hatte. Die 87-jährige Maricarmen, die trotz ihrer Gebrechlichkeit gegen den Immobilienhai nicht einfach klein beigeben wollte, wurde zum Symbol der Proteste. Im Rollstuhl, mit erhobenem Kopf und einem unbeugsamen Lächeln wurde sie von der Polizei delogiert. Gegen die Demonstrant/innen, die das verhindern wollten, wurde Tränengas eingesetzt. 

Diese Schandtat verursachte eine wichtige Solidaritäts- und Protestbewegung.In mehr als 50 Städten gingen mehrmals Tausende Menschen mit dem Slogan „Wir alle sind Maricarmen“ auf die Straße. Der Immobilienhai, der geglaubt hatte, sein schmutziges Geschäft würde reaktionslos bleiben, musste zurückrudern. Leider verstarb die alte Dame am 7. Oktober im Spital, wo sie nach ihrer Delogierung eingeliefert wurde– nach dem Schock, den sie erlitten hatte. Trotz dieser traurigen Nachricht geht die Protestbewegung weiter, in einem Land, in dem sich die Durchschnittsmieten in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelten und laut Schätzungen mehr als 700.000 Wohnungen fehlen. 

Spanien ist aber nicht das einzige Land, das von einer gewaltigen Immobilienkrise betroffen ist. 2021 hatten bei einem Volksentscheid mit großer Wahlbeteiligung 58% der Berliner Bevölkerung dafür gestimmt, die großen Wohnungskonzerne in Berlin zu enteignen und ihre Wohnungen in öffentliches Eigentum zu überführen. Doch die so „demokratische“ CDU-SPD-Landesregierung hat sich schlicht geweigert, den Volksentscheid umzusetzen. Und die Bundesregierung hat den Immobilienhaien freie Hand gelassen. So hatte 2023 Vonovia (ein Immobilienkonzern, der deutschlandweit rund 500.000 Wohnungen verwaltet) in Bottrop versucht, horrende Heizkosten-Nachzahlungen zu kassieren – teilweise 4.000 Euro. Als die Mieter/innen dagegen Versammlungen organisierten und gemeinsam die Offenlegung der Belege für diese Heizkosten einforderten, machte der Immobilienkonzern einen Rückzieher. 2024 versuchte er das gleiche Spiel, diesmal in Stuttgart, Hamburg und Berlin. Auch hier machten die Mieter/innen mobil. Und ganz plötzlich räumte Vonovia ein, dass die Abrechnungen falsch seien! 

Auch in Österreich können sich viele in der arbeitenden Bevölkerung das Leben nicht mehr leisten. Besonders wegen der Spritpreise aber auch wegen der Mieten. Seit Jahren werden sehr wenige Gemeindewohnungen gebaut, und die Mieten steigen besonders im Privatsektor immer weiter an. Dazu kommt, dass nun auch Gemeindewohnungen verscherbelt werden, in Wiener Neustadt werden 75%von ihnen verkauft. In Wirklichkeit ist die ganze Baubranche verdorben. Im März 2026 wurde bekannt, dass der Konzern Strabag eine Geldbuße von 146 Millionen Euro – die höchste Kartellstrafe, die es in Österreich je gegeben hat – für illegale Absprachen mit mindestens 40 anderen Baufirmen zahlen musste. Und diese Abzocke passierte auf Kosten von unzähligen Gemeinden. Die Summe scheint auf den ersten Blick hoch zu sein, doch sie entspricht nicht einmal der Maximalstrafe für die Einnahmen eines Jahres bei einem 15 Jahre andauernden Betrug, in dessen Verlauf die Gewinne des Konzerns auf diese Weise künstlich aufgebläht wurden. 

Keine Regierung hat gegen das Treiben der Immobilienspekulation etwas Wirksames unternommen. Im besten Fall sind sie nur in der Lage, zahnlose Maßnahmen anzukündigen, die nichts lösen … wenn sie überhaupt angewandt werden. Die Tatsache, dass die reichsten Länder Europas, deren Wirtschaft auf Profit ausgerichtet ist, nicht in der Lage sind, allen Einwohner/innen eine angemessene Unterkunft zu bieten (was übrigens ein Menschenrecht ist), ist ein weiteres Zeichen für das Scheitern des kapitalistischen Systems. 

Die Protestreaktionen in Spanien und Deutschland sollten auch bei uns Schule machen. Was nötig wäre, ist die Immobilienhaie entschädigungslos zu enteignen und unter Kontrolle der einfachen Bevölkerung zu stellen (z.B. durch Anwohnerbeiräte). Und das wird nur gehen, wenn die Arbeiter/innenklasse in Massen wieder aufsteht und sich organisiert.   

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