Bericht vom Fest der Lutte Ouvriere

 

Wie jedes Jahr veranstaltete die französische trotzkistische Organisation Lutte Ouvriere (LO) auch heuer ein Fest in der Nähe von Paris. Es ist ein Fest für die Arbeitenden, das für Arbeiterinnen und Interessierte viele kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen bietet, die ihnen in der kapitalistischen Gesellschaft oft vorenthalten werden. Das Fest bietet Raum für politische Diskussionen und ist ein guter Ort für einen Austausch aus den verschiedenen Betrieben und international.

Aber vor allen Dingen ist es ein Fest der Solidarität, das all jene zusammenbringt, die empört sind über die verheerenden Zustände auf dieser Welt, die die gleichen Ideen teilen, um diese Welt zu verändern. Auch etliche Aktivist/inn/en unserer Organisation arbeiter.innen.kampf waren vor Ort und haben viele wertvolle Eindrücke mitgenommen.

In der Nähe von Paris auf einem großen Gelände mit hohen Bäumen und Wiesen wird jedes Jahr mehrere Wochen im Frühling hart gearbeitet. Die Arbeiter/innen und Aktivist/inn/en, die die Stände und Konstruktionen für das Fest professionell aus dem Boden stampfen, machen das alles ehrenamtlich und neben ihren beruflichen Tätigkeiten. Viele Arbeiter/innen der Organisation bringen natürlich verschiedene Fertigkeiten und Talente mit. Aber Tatsache ist, dass sie eine Zeltstadt erschaffen, die große Festivals in den Schatten stellen kann. Sie arbeiten aber nicht auf Basis eines Lohns, wie wir es sonst gewohnt sind, sondern weil es ihr Wille, ihre Entschlossenheit ist. Und das ist es was dieses Fest ausmacht. Die bewusste Entscheidung der Arbeitenden sich zu organisieren und dafür ihre ganze Kraft einzusetzen.

Es gab mehrere Zelte, wo politische Vorträge und Diskussionen stattfanden. Unsere Aktivist/inn/en waren bei einer Diskussion, wo es um die aktuelle Situation der Arbeitenden im Automobilsektor ging. Arbeiter von Renault, Peugeot, Toyota berichteten über derzeitige Methoden und Argumentationen der großen Automobilbosse in Frankreich. Über die Art und Weise, wie sie als transnationale Konzerne Steuern vermeiden, Gewinne in anderen Ländern deklarieren und ihre Tricks, um an Subventionen und Förderungen durch die öffentliche Hand zu gelangen. Hingegen wird die Situation der Arbeitenden immer schlechter. Ein Anwachsen an befristeten und unsicheren Verträgen, steigender Arbeitsdruck. In verschiedenen Betrieben kam es auch in letzter Zeit zu kleineren Arbeitsniederlegungen.

Eine Veranstaltung fand statt über den Streik von 15.000 Arbeiter/innen hauptsächlich bei Renault in der Türkei. Ein Renault-Arbeiter aus Frankreich war dort und hat gemeinsam mit einem Genossen aus der Türkei über diesen beeindruckenden Arbeitskampf berichtet. Ein Referent der OKDE (Ergatiki Pali) aus Griechenland informierte über die aktuelle Lage der Arbeitenden in diesem krisengeschüttelten Land. Unsere Aktivist/inn/en konnten eine Reihe von interessanten Gesprächen mit Genoss/inn/en aus Griechenland, Deutschland, Belgien, den USA und natürlich aus Frankreich führen - eine Bereicherung und zusätzliche Ermutigung für unsere eigene Arbeit.

Ein großes Karussell, welches wie ein sich drehendes Museum funktioniert, begeisterte viele Besucher. Man konnte dort sehen, wie die Menschheit begann das Weltall zu erobern. Eine enorme technische Entwicklung hat sich in der Geschichte der Menschheit vollzogen. Während dieser Fortschritt in der kapitalistischen Gesellschaft für Raketen oder Kriege verwendet wird und nur einer kleinen Elite zu Gute kommt, um Profit zu machen, könnten diese Errungenschaften aber für die gesamte Menschheit genutzt werden. Und wenn viele meinen, dass das utopisch wäre, so wurde in dieser Ausstellung eines offensichtlich. Vor 200 Jahren hätte man uns auch für utopische Spinner gehalten, wenn wir ihnen erzählt hätten, dass die Menschheit einmal am Mond landen würde. Aber die technischen Errungenschaften, die damals undenkbar waren, sind heute Realität. Und genauso ist eine Welt ohne Ausbeutung und Unterwerfung unter den Profit keine Utopie, sondern die Zukunft. Dafür müssen wir gemeinsam kämpfen.

Barbara Gruber

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