Umdasch: Erpressung der Arbeiter/innen über Lohnkürzung und Arbeitszeitflexibilisierung

 17.11.2014
 
185 Arbeiter/innen vom Umdasch-Shopfitting in Amstetten (Niederösterreich) haben in einer Abstimmung  entscheiden müssen, ob sie lieber Lohnkürzungen hinnehmen und länger arbeiten oder ihren Job verlieren würden. Die Manager/innen erklärten, dass sie bei einem "Nein", den Standort schließen müssten, da die Produktion in Amstetten wegen der hohen Löhne zu teuer wäre.
 
Zwar wollten sie noch nichts Konkretes sagen, aber eine Lohnkürzung von 10% und der Verzicht auf die kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen der nächsten 2- 3 Jahre stehen im Raum. Weiters sehen die Sparmaßnahmen ein neues Arbeitszeitmodell vor. Zusammengefasst: Mehr Arbeit für weniger Geld. Die Abstimmung fand außerdem unter Aufsicht der Chefs statt. Die erpressten Arbeiter/innen, die ihren Arbeitsplatz behalten wollen, stimmten dem verhängnisvollen Plan der Manager zu und beauftragen damit den Betriebsrat zu Verhandlungen. 
 
„Beiträge zur Verbesserung der Kostenstruktur“ nennen die Manager/innen diese Maßnahmen. Wir würden das wohl eher Auspressung und Erpressung der Arbeiter/innen für den Profit nennen. Umso schlimmer, dass der Betriebsrat weder die Abstimmung selbst noch die Teilnahme der Chefs kritisierte, noch Kampfmaßnahmen plante. Anstattdessen dürfte er ebenso gegen die Arbeiter/innen argumentiert haben, indem er sich darüber äußerte, dass er sich selbst nicht sicher sei, ob die Arbeiter/innen am Standort interessiert wären. Das Interesse der Arbeitenden ist ihr Arbeitsplatz und ihr Lohn. Und der könnte noch so niedrig sein, irgendwann wären die Kapitalist/inn/en nicht mehr zufrieden.
 
Freie Entscheidungen im Kapitalismus
 
Von einer freien Entscheidung kann von Beginn an keine Rede sein. Die Arbeitenden sind mit dem Jobverlust bedroht. Diese Abstimmung, bei der die Chefs sogar nicht ausgeschlossen waren, war ein Schlag ins Gesicht der Arbeitenden. Die Konzerne lassen sich in Wirklichkeit nicht von der größten Opferbereitschaft der Arbeiter/innen für das Unternehmen beeindrucken. Viele Beispiele gibt es, wo die Arbeitenden auf immer mehr verzichten mussten, bis schließlich der Betrieb geschlossen wurde und sie doch ohne Arbeit dastanden.
 
Ein bekanntes Beispiel ist das Werk von General Motors in den U.S.A., wo 10.000 Arbeiter/innen ihren Arbeitsplatz nach und nach verloren. Wenn die Kapitalist/innen, beschließen, dass ein Standort nicht mehr rentabel ist, dann wollen sie, bevor sie endgültig zumachen, noch so viel wie möglich aus den Arbeiter/innen raus pressen... um sie nach ein paar Jahren wegzuwerfen wie eine ausgequetschte Zitrone.
 
Über 1 Milliarde Umsatz und 24 Millionen Euro Gewinn
 
Die- Umdasch Gruppe ist kein Kleinbetrieb, der ums Überleben kämpft. Sie gehört zu den 100 größten Unternehmen Österreichs mit einem Jahresumsatz im Jahr 2013 von über 1 Milliarde Euro. Der Gewinn könnte sehr gut dafür verwendet werden, den Arbeitenden einen ordentlichen Lohn zu zahlen. Es müssten nicht die Arbeiter/innen von Amstetten darauf verzichten, sondern der  Lohn der anderen sollte aufgestockt  werden. Aber Profitlogik und das Wohl der Arbeiter/innen sind, wie man sieht, entgegengesetzte Interessen.
 
Es ist ganz klar, dass im Kapitalismus nur eines von beiden bestehen wird. Wir befinden uns bereits im heftigsten Klassenkampf. Es kämpfen die Konzerne gegen die Arbeiter/innen und die Arbeiter/innen lassen sich im Moment in vielen Fällen alles gefallen.
 
Bei einer solchen Maßnahme, wie bei Umdasch, geht es vor allen darum, die Arbeiter/innen zu brechen und zwar nicht nur die in Amstetten, sondern auch die Arbeiter/innen an den anderen Standorten. Die Abeiter/innen sollen so frustriert und mutlos werden, dass sie noch besser ausbeutbar sind und sie nicht mehr an ihre gemeinsame Stärke glauben.
 
Die Arbeiter/innen müssen sich organisieren und gemeinsam kämpfen
 
So eine Macht zu brechen und diesen schlimmen Zuständen entgegen zu wirken, ist natürlich nicht leicht. Viele haben das Gefühl, es ist unmöglich. Die Arbeiter/innen von Umdasch fühlen sich wahrscheinlich alleine und ohnmächtig. Jeder ist heutzutage froh einen Arbeitsplatz zu haben und viele haben Angst etwas zu riskieren. Aber in Wirklichkeit machen die Konzerne, egal ob wir auf ihre Forderungen und Spielchen eingehen, was sie wollen. Viele glauben, wenn wir auf die Kapitalist/inn/en zugehen, dann werden sie uns verschonen. Dem ist aber nicht so. Sie schließen auch gutgehende, profitable Standorte und verlagern in Billiglohnländer. Und immer erpressen sie die Arbeitenden.
 
Wir müssen erkennen, die Konzerne sind eine gut organisierte Interessensgemeinschaft, die schon jetzt ihren Kampf gegen die Arbeitenden aufgenommen haben. Sie sind organisiert, um uns, den Lohnabhängigen immer mehr das Geld aus den Taschen zu ziehen. Und sie machen das ohne Erbarmen und ohne Rücksicht auf Verluste. Die Organisierung der Arbeitenden ist zum jetzigen Zeitpunkt alleine schon zur Selbstverteidigung notwendig. Wir müssen uns organisieren und zusammentun und dafür kämpfen, dass nicht überall die Löhne sinken, sondern dass sie überall angehoben werden. Wenn es keine Billiglohnländer gibt, dann können die Kapitalist/inn/en auch nicht mehr dorthin abwandern und uns mit den Löhnen erpressen. Diesen Ausgleich müssen wir erkämpfen. Und es wird sich zeigen, dass die Macht der Arbeitenden noch viel weiter geht.
 
Barbara Gruber
 
 

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