April 2014

Streik bei Lufthansa


Aufgrund der Gewinnmaximierung und Profitgier der Lufthansa gab es in letzter Zeit immer wieder Stellenabbau. Doch nun beginnen die Angriffe auf die Versorgungssysteme aller Beschäftigten.

Die Pilot/inn/en der Lufthansa sind für drei Tage in den Ausstand getreten. Bei einer Urabstimmung am 20. März hat eine große Mehrheit der Pilot/inn/en für einen Streik gegen die angriffige und konfrontative Kürzungspolitik der Konzernleitung gestimmt. Im Mittelpunkt der Forderungen der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) steht die Erhaltung der Übergangsversorgung.

Die sogenannte Übergangsversorgung sicherte Pilot/inn/en eine Rente ab 55 Jahren. Durch diese Regelung war es ihnen möglich nach vielen Arbeitsjahren im Cockpit selbst darüber zu entscheiden, ob sie weiter bis zur Pension Fliegen möchten oder bei einem reduzierten Übergangsgehalt vorzeitig in den Ruhestand gehen wollen. Diese Rente wurde aus Lohnbestandteilen finanziert. So wurde von jedem Beschäftigten ein Teil seines Lohn einbehalten und in einen Topf geworfen.

Doch jetzt kündigte die Lufthansa den Tarifvertrag für die Übergangsversorgung und will damit die Pilot/inn/en zwingen, ihre anstrengende und verantwortungsvolle Arbeit, voll mit Stress, Nachtschichten und extrem langen Diensten, einige Jahre länger auszuüben.

Warum will die Lufthansa die Übergangsversorgung streichen?

Das Management der Lufthansa ist am Gewinn des Unternehmens und der Zufriedenheit der Aktionäre/innen interessiert. Die Belangen der Beschäftigten sind ihnen dabei völlig egal. Das Ziel ist es Gewinn zu machen und die Dividende und Zufriedenheit der Aktionäre/innen zu steigern.

Damit sie ihre Ziele erreichen können wurden im Rahmen eines Sparprogramms namens „SCORE" sämtliche Versorgungstarifvereinbarungen aller Lufthansa-Mitarbeiter/innen gekündigt. Mit diesem Sparprogramm soll der operative Gewinn bis 2015 durch Kürzungen bei den Beschäftigten auf bis zu 2,65 Milliarden Euro steigen. Außerdem macht die Abschaffung der Übergangsversorgung es dem Konzern möglich das angesparte Geld auf einmal aufzulösen.

Die Gewerkschaft betont dagegen jedoch die absolute Notwendigkeit dieser Regelung. Sie argumentiert, dass aufgrund der hohen Belastung und Verantwortung gegenüber den Passagieren es den Piloten möglich sein muss, individuell darüber entscheiden zu können, ob man der Belastung der Arbeit noch standhalten kann oder nicht.

Die Rolle der Medien

Die Medien kritisieren den Streik der Piloten und dessen Notwendigkeit. Manche von ihnen werfen den Pilot/inn/en vor, dass sie eine sehr gut bezahlte Berufsgruppe sind. Das mag stimmen, aber erstens sind von den Sparmaßnehmen bei Lufthansa verschiedene Berufsgruppen betroffen, zweitens bedeutet eine Niederlage der Pilot/inn/en auch eine Schwächung der anderen Beschäftigten und drittens kann eine relativ gute Bezahlung ja nicht heißen, dass sich eine Berufsgruppe nicht wehren darf.

Viele Medien haben aber de facto genau das gemacht, nämlich den Pilot/inn/en quasi das Recht zu streiken abgesprochen. Diese Argumentation drückt eine von Grund auf feindlich gesinnte Haltung gegenüber den Beschäftigten aus. Mit einem solchen Handeln hetzen sie die verschiedenen Berufsgruppen gegeneinander auf und versuchen die Solidarität zwischen ihnen zu verhindern. Die Medien positionieren sich mit ihrer Argumentation ganz klar auf Seiten des Managements und vertreten somit direkt deren Interessen.

Wieso stellen sie den Streik der Pilot/inn/en aufgrund des angeblich hohen Gehalts in Frage, aber kritisieren nicht die Sparmaßnahmen der Chefs? Denn die wirklich hohen Gehälter werden nicht an die Pilot/inn/en ausgezahlt, sondern an den Vorstand. Dieser hat nämlich sein Gehalt in den letzten Jahren systematisch erhöht, obwohl angeblich so dringend gespart werden muss... So verdiente im Jahr 2012 Vorstandschef Franz 2,6 Millionen Euro, das bedeutet er bekommt (bekam) ein Gehalt von 216 Tausend Euro im Monat bezahlt. Doch diese Fakten rund um den Arbeitskampf verschweigen die Medien gerne einmal.

Wir sind der Meinung, dass solche Regelungen wie die Übergangsvereinbarung von der Konzernleitung nicht angetastet werden dürfen und von den Beschäftigten verteidigt werden müssen. Der Angriff auf die Pilot/inn/en markiert wahrscheinlich nur den Anfang von größeren Angriffen auf die Lohnabhängigen bei Lufthansa. Denn der Konzern versucht schon seit längerem den deutschen Tariferträgen auszuweichen, in dem er Beschäftigte in die ausländischen Tochter-Firmen steckt, in denen andere Tarifvereinbarungen zu Gunsten des Managements gelten. Auf diese Art und Weise spart sich die Lufthansa ein Vermögen bei vielen Berufsgruppen und bezahlt Beschäftigte unter dem Tarif.

Damit so etwas nicht für die Manager möglich ist, sollten im Transportwesen international einheitliche Kollektivverträge gelten. Erreicht werden kann das nur durch Kampfmaßnahmen, die über die Pilot/inn/en hinaus gehen.

Alex Cerny

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