12-Stunden Tagesarbeitszeit:
Nein zur Rückkehr ins 19. Jahrhundert!

 
Die Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaft verhandeln derzeit eine Ausdehnung der Tagesarbeitszeit. Schon lange pochen die Industriellen darauf. Sie fordern das Recht, einen 12-Stundentag ohne Überstundenzuschlag durchsetzen zu können; außerdem eine Höchstarbeitszeit von 60 Stunden pro Woche, was dann nach zwei Jahren durchgerechnet werden soll.
 
Das heißt, dass die Arbeitenden de facto um ihre Überstunden gebracht werden. Konkret: weniger Geld, eine höhere Verfügbarkeit unserer Zeit für die Chefs, also Arbeit auf Abruf und größere Schwierigkeiten, das Privatleben zu organisieren. Ganz zu schweigen von Erschöpfung, Burn-Out und einem höheren Risiko für Unfälle, wie Arbeitsmediziner/innen warnen.
 
Die völlige Verachtungung durch unsere Chefs

Die Industriellenvereinigung hat außerdem die Frechheit zu behaupten, dass es „im Gegenzug“ längere Freizeitblöcke geben würde und die Arbeitenden von einer „besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ profitieren könnten. Eltern, die Vollzeit arbeiten, haben heute schon große Probleme, für die Betreuung ihrer Kinder über die Zeit von 40 oder 38,5 Stunden zu sorgen, oder ganz einfach um sie rechtzeitig vom Kindergarten abzuholen. Viele Mütter arbeiten bereits jetzt wegen der Kinderbetreuung in Teilzeit. Eine Ausdehnung der täglichen Höchstarbeitszeit würde deren Situation noch verschärfen.
 
Außerdem gibt es schon so zu viele Kolleginnen und Kollegen, die an Muskel-/Skelett-Erkrankungen leiden, weil zu lange ohne Unterbrechung gehackelt wird. Viele Arbeitenden fühlen sich jetzt schon ausgebrannt. „Jeder vierte Berufstätige ist Burn-out gefährdet“: Das waren die Schlagzeilen vieler Tageszeitungen vor ein paar Tagen, nach der Veröffentlichung einer Studie der Versicherungsanstalt Allianz. Und sie wollen das noch verschlimmern!
 
Weitere veröffentlichte Studien bestätigen, dass 12 Stunden Arbeit nicht gesund sind. Lange Dienste führen zu erheblicher Ermüdung, die nicht einfach durch mehr Freizeit wettzumachen ist. Die Konzentration sinkt, die Gefahr von Arbeitsunfällen steigt. Außerdem sind diejenigen unter uns, die unter großen Belastungen arbeiten müssen, noch länger am Stück z.B. Schadstoffen und Lärm ausgesetzt. Wie soll man unter solchen Umständen noch seine Pension gesund antreten können? Der Industrie ist das aber völlig egal. 12 Stunden Arbeit „tun niemandem weh“, wagte sogar der Industriellenvereinigungs-Präsident Georg Kapsch – der kein Arzt ist und auch nicht am Band oder auf einer Baustelle arbeitet, der keine schwere Lasten trägt – vor ein paar Monaten zu behaupten.
 
Die Vermögenden verstehen nur die Sprache unserer gemeinsamen Kraft

„8 Stunden Arbeit - 8 Stunden Schlaf -8 Stunden Erholung!“:
Das war die Losung der Arbeiter/innen/bewegung vor mehr als 100 Jahren! Das ist genau der Ursprung des 1. Mai: ein internationaler Kampftag für den 8-Stunden-Tag! Jahrelang haben Arbeiter/innen massenhaft dafür demonstriert und gestreikt, haben sich in der Gewerkschaft und in der sozialdemokratischen Partei dafür organisiert. Sonst hätten wir noch immer 14-Stunden-Arbeitstage und Kinderarbeit.
 
Heute aber kriechen die sozialdemokratischen Politiker vor dem Kapital. Und die Gewerkschaft wackelt. „Flexibilität darf keine Einbahnstraße sein“, so Foglar, der Vorsitzende des ÖGB. Das bedeutet klar, dass die Leitung der Gewerkschaft schon bereit ist, eine höhere Flexibilität, den 12-Stunden Tag anzunehmen. Im Gegenzug zu was? Das ist ein Minenfeld. Was gibt es zu verhandeln über einen Angriff, der eine regelrechte Rückkehr in die Ausbeutungsbedingungen des 19. Jahrhundert ist?
 
Was an der Tagesordnung sein sollte, das sind die Organisierung des Widerstands und die Vorbereitung des Kampfes gegen diese Pläne, die nur auf die Verstärkung der Ausbeutung abzielen. Zumal die Angriffe der Unternehmer noch nicht zu Ende sind, weil ihr Profitverlangen unersättlich ist. Nicht nur in Österreich, in ganz Europa und weltweit geht es abwärts mit den sozialen Errungenschaften. Und nach dem 12-Stunden-Tag werden sie noch Schlimmeres verlangen. Gegen eine solche Kampfansage, und um weitere massive Verschlechterungen abzuwehren, können wir Arbeitenden nur auf unsere eigene Mobilisierung zählen. Die älteren Generationen haben in viel schwierigeren Bedingungen als heute wichtige Verbesserungen erkämpft. Jetzt sind wir gefragt, die aktuellen Verschlechterungen nicht zuzulassen und das zu verteidigen, was sie für uns erkämpft haben.

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