Arbeiter/innen verlieren 13% ihres Lohns seit 1998
Wie lange noch werden unsere Löhne sinken?

 

17.1.2017

 

Was wir alle im Geldbörsel spüren, nämlich dass „alles teurer wird" und dass unsere Kaufkraft schrumpft, wurde Ende 2016 durch den Rechnungshof bestätigt.

In seinem „allgemeinen Einkommensbericht" stellt diese Staatsinstitution, die nun wirklich keine arbeiterfreundliche ist, fest, dass die realen Einkommen – d. h. inflationsbereinigt – der Arbeiter/innen in den letzten 17 Jahren fast durchgehend gesunken sind: Wir verdienen heute 13% weniger als noch 1998!

Das wird sich heuer auch bei den meisten Arbeitenden bemerkbar machen. Sogar bei den Metallern, die oft als diejenigen, die die besseren Löhne kriegen, angesehen werden. Das von der Gewerkschaftsleitung geforderte kräftige Plus wird für die meisten Metaller sogar ein Minus 2017 bedeuten. Das bekräftigt auch eine Tiroler Studie. Bei durchschnittlichen Lohnerhöhungen von 1,4% ist das sogar unter der vorausgesagten 1,7% Inflation. Ganz zu schweigen von den anderen Berufen und den Pensionisten, die mit einer schäbigen Alterspension leben müssen!
Hinzu kommt die sogenannte kalte Progression, die die minimalen Lohnerhöhungen auffrisst. Dabei geht es um die Steuern, die sich erhöhen, wenn das Einkommen in Zahlen steigt, egal ob die Inflation diese Erhöhung zunichtemacht oder nicht. Zwar hat die Steuerreform 2015/2016 die Situation verbessert, aber die kalte Progression nicht wirklich abgeschafft. Und es ist abzusehen, dass diese Vorteile wieder zurückgehen, manche erwarten die Umkehrung des Effekts der Steuerreform bereits heuer.

Außerdem besteht noch immer die Ungerechtigkeit, dass lohnabhängige Frauen weniger verdienen. Das liegt nur zum Teil daran, dass Frauen überdurchschnittlich häufig Teilzeit arbeiten. Auch wenn nur Vollzeit arbeitende Frauen gerechnet werden, verdienen sie in der Privatwirtschaft immer noch durchschnittlich ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen.

 

Die große Lüge der Herrschenden


Aber während dieser 17 Jahre hat das reale Bruttoinlandsprodukt um 50% zugenommen - das heißt, dass Österreich reicher geworden ist ... während diejenigen, die diesen Reichtum durch ihre Arbeit geschaffen haben, ärmer geworden sind. Während derselben Periode, von 1998 bis 2015, ist auch der Wert der an der Wiener Börse notierten Unternehmen um 90 % gestiegen. In diesem Fall bedeutet das, wenn man die Inflation berücksichtigt, eine Steigerung von ungefähr 50 %. Ganz konkret: Die Großaktionäre, diese kleine Schicht von Großanlegern und Kapitalisten, die die Wirtschaft plündern, haben sich noch mehr bereichert. Und die Zahl der Millionäre hat zugenommen.

 

Wir Arbeitenden sollten nicht mehr für den Wahnsinn dieses Systems bezahlen müssen


Währenddessen wiederholen die Unternehmer und Politiker, die ihre Interessen verteidigen, dass die Löhne in Österreich zu hoch seien, dass wir nicht „konkurrenzfähig" genug seien, das wir neue Anstrengungen machen müssten, schlechtere Löhne und Arbeitsbedingungen hinnehmen müssten.
Das ist eine grobe Lüge: Das Land ist reich genug, die Reallöhne aller Arbeitenden zu verbessern, sodass sie mindestens das Niveau von 1998 wieder erreichen.

 

Dafür sind folgende Forderungen mehr als berechtigt:


- eine bedeutende Lohnerhöhung, um den Verlust der letzten Jahre wettzumachen;
- und eine automatische Angleichung der Gehälter und Löhne an die Inflation, um die Löhne gegen den zukünftigen Anstieg der Preise zu schützen.

Die Gewerkschaftsleitungen tragen ebenfalls eine Verantwortung für diese Situation. Seit Jahrzehnten sind die oberen Etagen der Gewerkschaft stolz darauf, mit den Unternehmen „gut" zu verhandeln. Sie erklären, dass in Österreich fast alle Arbeitenden durch einen Kollektivvertrag ge¬schützt werden. Und was ist das Ergebnis: eine reale Lohnsen¬kung von 13 % über 17 Jahre! Was für ein Schutz ist das?

Die Wahrheit sieht ganz anders aus: Österreich ist (mit der Schweiz) eines der Länder in ganz Europa, wo seit Jahren am wenigsten gekämpft und gestreikt wird. Genau diese Situation hat es den Unternehmern erlaubt, die realen Löhne über Jahre zu senken. Wie das Sprichwort sagt: Nur Schafe schert man, nicht Löwen!


Es wäre also höchste Zeit, dass wir das Ruder herumreißen. Das sind jedenfalls unsere Wünsche für das Jahr 2017: dass es uns gelingt, unsere Interessen als Arbeitende durchzusetzen. Dafür müssen wir uns Achtung verschaffen und unseren Zorn ausdrücken, um unsere Löhne und besonders unsere Würde zu verteidigen!

 

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