Frauenmorde: die abscheulichen Folgen eines brutalen Systems

 

 

17.5.2021

 

In den letzten Wochen wurden mehrere Frauen von Männern aus ihrem Umfeld umgebracht. Diese Morde sind die düstere Folge des alltäglichen Sexismus, der die Gesellschaft plagt: So wurden 2019 mehr als 16.500 Frauen und Mädchen von Gewaltschutzzentren wegen familiärer Gewalt betreut. Und das sind bei Weitem nicht alle, die betroffen sind. Man muss sich einmal vorstellen, wie das Leben einer von Gewalt betroffenen Frau ist, die von einem Frauenhaus den Rat bekommt, ihren Ex-Mann am Telefon nicht zu blockieren, da er sonst ausrasten könnte. Sie muss ständig mit der Angst im Nacken leben, dass er sie jederzeit angreifen kann.

Diese brutalen Tragödien haben viel Empörung ausgelöst und es hat nicht an Politiker/innen gemangelt, die diese barbarischen Taten angeprangert haben. Was die meisten von ihnen betrifft, ist es aber pure Heuchelei. Die Regierung hat zwar mehr Geld versprochen, um die allgemeine Situation der Frauen zu verbessern. Aber besonders viel scheinen ihnen diese Menschenleben nicht wert zu sein: Während das Frauenbudget letztes Jahr nur 14,65 Millionen Euro betrug, gab die Regierung für PR und Inserate nicht weniger als 73 Millionen aus. Da sieht man, welche Prioritäten Kurz und Co haben! Man darf auch nicht vergessen, dass unter der türkis-blauen Regierung 2017-2019 fast eine Million Euro beim Frauenministerium eingespart wurde. Außerdem wurden die monatlichen Fallkonferenzen von Polizei und Frauenhäusern unter dem damaligen FPÖ - geführten Innenministerium bei Hochrisikofällen gestrichen.

Die Reaktion der Regierenden auf diese Schandtaten bleibt weit hinter dem zurück, was nötig wäre. Sie bieten weder die notwendige rechtliche und menschliche Unterstützung, noch einen schnellen Zugang zu einer Wohnung oder einem Arbeitsplatz, wenn eine Frau von ihrem Partner bedroht wird. Viele Politiker/innen nützen auch solche Tragödien aus, um von den verschiedenen Skandalen in der Welt der Politik, von der hohen Arbeitslosigkeit und von der sich verbreitenden Armut, also von ihrer katastrophalen Bilanz, abzulenken. So haben die Frauenministerin und diverse Politiker der letzten Jahre immer wieder behauptet, dass es ein Problem der Kultur wäre, da gewisse Gewalttäter migrantische Männer wären. Aber die sogenannte „westliche“ Kultur hat die Frauen nie vor Belästigungen und Angriffen geschützt. So berichteten kürzlich zwei ehemalige Moderatorinnen live im Fernsehen über sexuelle Belästigung durch einen Medienmanager. Regelmäßig werden auch Fälle von sexuellen Übergriffen in der katholischen Kirche gemeldet. Ganz zu schweigen von diesem Bierwirt, der Ende April seine Ex-Lebensgefährtin in der Brigittenau kaltblütig ermordet hat. Der Mörder ist derselbe Mann, der vor drei Jahren der grünen Abgeordneten Sigrid Maurer obszöne Nachrichten über Facebook geschickt hatte. Aber als sie sie veröffentlicht hat, um das zu denunzieren, wurde sie von der Justiz wegen über Nachrede verurteilt, und nicht der Täter!

August Bebel, der Gründer der Arbeiter/innen/bewegung in Deutschland, schrieb vor 150 Jahren, dass man den Entwicklungsstand einer Gesellschaft daran messen kann, welche Stellung die Frauen in ihr haben. Die Tatsache, dass Unterdrückung und Gewalt gegen die Hälfte der Menschheit noch immer alltäglich ist, sagt viel darüber aus, wie wenig entwickelt unsere Gesellschaft 2021 ist. Wir leben nämlich in einer Welt, die von Hierarchien, Chefs, Unterdrückung und Befehlen durchdrungen ist, und in der jede Art von Spaltung unter den Arbeitenden geschürt wird: Männer gegen Frauen, Arbeitslose gegen (Noch)Beschäftigte, In- gegen Ausländer … Das alles muss so sein, damit die Ausbeutung und die weitere Bereicherung einer kleinen Minderheit an Großkapitalisten weitergehen kann. Dagegen gibt es für die gesamte Arbeiter/innenklasse nur einen Weg: sich wehren und letztlich diesem Gesellschaftssystem ein Ende setzen. Die Frauen – und die Männer – müssen ihren vollen Platz in diesem Kampf einnehmen.

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