Krieg um den Corona-Impfstoff, Gesundheitskrise, Wirtschaftskrise: Der Wahnsinn des Kapitalismus

 

7.9.2020

 

Seit Beginn der Corona-Epidemie, und noch mehr mit dem Wiederanstieg der Ansteckungen im Sommer hat sich der Wettlauf um einen Impfstoff beschleunigt. Es gibt immer mehr Ankündigungen, dass es einen Impfstoff 2021 geben wird.  Medienberichten zufolge haben vier von den rund 170 (bekannten) weltweiten Projekten bereits die fortgeschrittenste Stufe erreicht.

"Wir versuchen in sechs bis acht Monaten das zu erreichen, was normalerweise zehn bis zwanzig Jahre braucht", erklärte kürzlich ein Manager eines großen Pharmakonzerns.

Ein wirksamer Impfstoff, der einen großen Teil der Weltbevölkerung gegen die Krankheit immun machen würde, wäre ein großer Fortschritt im Kampf gegen das Virus. Man kann natürlich beeindruckt sein von der weltweiten Mobilisierung der medizinischen Forschung. Doch so einfach ist es im Kapitalismus nicht. Denn für die Bosse der Pharmaindustrie ist die Suche nach einem Impfstoff vor allem ein Wettrennen um das große Geld. Jeder will der erste sein, der seinen Impfstoff an die kaufkräftigen Staaten verkauft und damit Profite in gigantischer Höhe machen kann. Dafür aber muss man schneller sein als alle anderen, muss als erster einen Impfstoff entwickelt, erprobt und in großer Menge produziert haben. Entsprechend groß ist für alle Pharmakonzerne die Verlockung, mögliche Nebenwirkungen und Probleme herunterzuspielen oder ganz zu verschweigen.

So haben einige Laboratorien bereits damit begonnen, ihren Impfstoff industriell herstellen zu lassen, noch bevor sie seine Wirksamkeit kennen und seine Sicherheit überprüft haben. Das ist der Fall in Russland, wie die Medien berichtet haben. Aber auch anderswo. So hält die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde (FDA) die Zulassung eines Impfstoffs in den USA noch vor Abschluss der dritten und finalen Testphase für denkbar. Zusätzlich hat vor kurzem die Europäische Union entschieden, im Falle unerwarteter Nebenwirkungen die Konzerne zu entschädigen, was eine Garantie ihrer Profite bedeutet. Ein Freibrief für die Konzerne, den Profit vor die Sicherheit der Produkte zu stellen.  In dieser Gesundheitskrise verteidigen die europäischen Staaten wie üblich vor allem die Interessen der Großkonzerne.

Noch dazu zwingen die multinationalen Pharmakonzerne die Regierungen, die es sich leisten können (also die reichsten), Millionen von Dosen vorzubestellen, um ihre Gewinne zu "sichern".

Außerdem wird ein Konzern einen wirksamen Impfstoff sofort durch Patente schützen und somit verhindern, dass er der ganzen Menschheit zur Verfügung steht. Und obwohl ein großer Teil dieser Impfstoff-Forschung durch öffentliche Gelder bezahlt wurde, gehört der entwickelte Impfstoff dem Pharmakonzern ganz allein. Der Konzern allein entscheidet damit, zu welchem Preis er ihn verkauft. Der Rest der Bevölkerung wird nie erfahren, was genau in den Kaufverträgen zwischen den Staaten und den Pharmakonzernen stehen wird. Doch eins ist sicher: Die Staaten werden Wucherpreise zahlen müssen. Und Pech für die Länder und die Leute, die diesen Preis nicht bezahlen können!

Ja, in der Gesundheitskrise wie in allen anderen Bereichen ist die Gesellschaft mit Gier und Verantwortungslosigkeit der von profitstrebenden Kapitalisten konfrontiert. Dank des Fortschritts von Wissenschaft und Technik stehen der Gesellschaft gewaltige Mittel zur Verfügung, um das Leben der Menschen zu verbessern. In allen Ländern, auch in den reichsten, gibt es viele Bedürfnisse, im Gesundheits- und Bildungswesen, im Verkehr, im Wohnungsbau ... Und doch versinkt die Wirtschaft immer tiefer in der Krise.

            Damit die Ergebnisse aus Wissenschaft und Industrie von der Bevölkerung kontrolliert werden und allen Menschen zu Gute kommen können, gehört die Wirtschaft nicht in die Hände einer kleinen Minderheit verantwortungsloser Kapitalisten mit ihrer Profitlogik, sondern in die Hände der Bevölkerung!

 

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