Proteste weltweit: Wer Elend sät, muss Sturm ernten

 

11.11.2019

 
Seit Monaten werden zahlreiche Länder durch soziale Massenproteste von Seiten der Bevölkerung erschüttert. In Libanon gehen die Demonstrant/innen auf die Straße gegen die häufigen Strom- und Wasserausfälle, die Inflation und die steigende Arbeitslosigkeit. In Chile ist es eine Preiserhöhung der U-Bahnkarte, die das Fass zum Überlaufen gebracht hat. In Algerien, wo die Proteste schon seit Monaten andauern, will die einfache Bevölkerung die verallgemeinerte Korruption der Elite nicht mehr dulden, die mit Armut und Arbeitslosigkeit für viele Arbeitende einhergeht. Im vom Krieg verwüsteten Irak kämpft derzeit die Bevölkerung für Arbeit, funktionierende öffentliche Dienstleistungen und den Abgang der korrupten Politiker. Und die Liste geht weiter, von Haiti bis Ecuador bis zum Sudan.     
 
Über alle Unterschiede hinaus geht es überall um viel mehr: die schwelende Wut über das wachsende Elend, die immer unerträglicheren Lebensbedingungen, und mit ihr die Wut auf die Regierungen. Diese versuchen, die Proteste mit einer Mischung aus kleinen Zugeständnissen und massivem Einsatz von Polizei und Armee zu ersticken. Bislang vergeblich: Stattdessen verlangen die Massenproteste immer lauter den Abgang des gesamten korrupten Regimes, das nur den Reichen dient. Eines ist sicher: Ein System, das so viel Armut und Ausbeutung sät, muss Sturm ernten – und wird daher noch viel mehr solcher sozialen Revolten erleben! Auch in Europa ist die Bevölkerung Opfer einer kranken Weltwirtschaft.    
 
Hierzulande ist die Situation noch nicht so düster. Österreich ist aber trotzdem keine Insel der Seligen. Denn hier geht es auch mit den Verschlechterungen voran. Letztes Jahr hat die Regierung das Gesetz verabschiedet, das die maximale Arbeitszeit auf 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche erhöht hat, was vor ein paar Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre. Seit Jahren gibt es auch immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse und immer mehr Beschäftigte gehen krank in die Arbeit, anstatt sich auszukurieren, weil sie Angst haben, den Job zu verlieren. Außerdem sind da die steigenden Mieten, der ständige Pflegepersonalmangel in den Krankenhäusern, mit verehrenden Folgen für die Patient/innen. Schon mehren sich die Ankündigungen von Massenentlastungen bei superreichen Konzernen wie Opel oder Magna, geschweige denn in kleineren Betrieben. Und während Jahr für Jahr der Reichtum des Landes steigt, konzentriert er sich in wenigen Händen: 1% der Bevölkerung verfügt über mehr als 40% des Gesamtvermögens!       
 
Ja, die Gesellschaft steht vollkommen Kopf. Alles Wesentliche für die Bevölkerung - Arbeitsplätze, Löhne, Pensionen, Gesundheit, Bildung, Verkehr, Wohnen - wird mit Kosten gleichgesetzt, die reduziert werden müssen. Im Gegenteil soll alles, was in die Taschen einer Handvoll reicher Nichtstuer fließt, also Gewinne und Profite, immer mehr wachsen. Aber dieses Geld dient nur dazu, die Launen der Reichen zu befriedigen und die Spekulationen und das Risiko eines neuen Finanzkrachs anzuheizen!     
 
Die Regierungen, egal welcher Farbe, können und werden nur das machen, was die Kapitalisten von ihnen verlangen. Und da sie die Profite, auf die sie nie verzichten werden, wegen der Krise nicht mehr in den Märkten finden können, müssen sie bei uns sparen, um sich auf unsere Kosten weiter zu bereichern. Deshalb werden diese Angriffe gegen unsere Arbeits- und Lebensbedingungen nicht aufhören. Irgendwann werden wir also auch den Weg nehmen müssen, den viele Arbeitende auf anderen Teilen der Welt heute schon eingeschlagen haben. Auch wir werden unsere Wut kundtun und uns mobilisieren müssen, um unsere Interessen zu verteidigen. Und zwar nicht nur gegen die Regierung, sondern auch gegen die Großkonzerne der Finanz und der Industrie, in deren Dienst sie immer steht. Und schließlich gegen dieses verrückte Wirtschaftssystem, das nur Elend für die überwiegende Mehrheit produziert, und dem die Menschheit ein Ende bereiten muss.

Plakate


SPÖ bis FPÖ.jpg

Publikationen