Stronach als Retter der Nation?

 

Die Krise der Weltwirtschaft ist nicht vorbei, die Stabilität der EU fraglich. Viele Lohnabhängige spüren den steigenden Druck am Arbeitsplatz, haben Angst um ihre Existenz und die Zukunft ihrer Kinder. Manche sehen die neue Partei des Milliardärs und ehemaligen Konzernchefs Frank Stronach als Möglichkeit gegen das herrschende System zu protestieren, ohne die Rechtsextremen von H.C. Strache wählen zu müssen.


Legende und Wahrheit

Stronach stellt sich gern als jemand dar, der es mit Fleiß und Geschick vom Werkzeugmacher zum Besitzer eines Großkonzerns gebracht hat. Angeblich hat er aber nicht vergessen, wo er herkommt, und will nun den Staat Österreich wie seine Firma zum Erfolg führen. Diese Legende ist aber bestenfalls ein Teil der Wahrheit.

Stronach wurde als Franz Strohsack in der Steiermark geboren. Er ist nach Kanada ausgewandert und hat dort eine Firma aufgemacht. Er profitierte vom Aufschwung der kanadischen Autozulieferindustrie. Richtig reich wurde er mit den Ausgliederungen in der nordamerikanischen Autoindustrie. Stronachs Magna-Konzern und andere Zulieferer produzierten weit billiger, weil sie ihren Arbeiter/innen miserable Löhne zahlten, die Arbeitsbedingungen weit schlechter waren und mutmaßliche Gewerkschaftsaktivist/inn/en sofort gekündigt wurden.

Aber nicht nur in Nordamerika stützte sich Stronachs Aufstieg auf die übermäßige Ausbeutung der Arbeiter/innen. Auch in Österreich versuchte er anfänglich, Betriebsräte in seinen Fabriken zu verhindern. Im Krisenjahr 2009 zwang er seine Beschäftigten, Lohnkürzungen hinzunehmen, um die Konzernverluste abzudecken. Und 2012 weigerte sich Magna-Österreich die ersten 3% einer Lohnerhöhung zu zahlen (bei einem weltweiten Gewinn von 1 Milliarde).

Stronach stellt sich nun gern als Kritiker des herrschenden Systems dar, in Wirklichkeit ist er Teil davon. Er kassierte staatliche Subventionen, nutzt die legalen Möglichkeiten zur Steuerflucht und hat etliche Politiker/innen bei seinem Konzern beschäftigt – Karl-Heinz Grasser und Peter Westenthaler von FPÖ/BZÖ, Franz Vranitzky von der SPÖ, Günter Stummvoll und Waltraud Klasnic von der ÖVP.


„Wer das Gold hat, macht die Regeln"

... so lautet ein bekannter Spruch von Stronach. Andere Parteien regen sich auf, dass Stronach Politiker/innen kauft. Das ist zu guten Teilen Heuchelei, denn ganz viele Abgeordnete aller Parteien machen diesen „Job"wegen des guten Verdienstes – und sehr viele haben vorteilhafte Beziehungen zu Firmen, Banken etc. Was aber sicherlich stimmt, ist, dass Stronach für einen noch offeneren und massiveren Einfluss des Großkapitals auf die Politik steht.

Und welche Regeln er mit seinem „Gold"machen will, ist auch klar, nämlich solche im Interesse der Superreichen. Er spricht zwar von „sozialer Verantwortung" meint aber damit nur Almosen von den Reichen, denen die Armen dann auch noch dankbar sein müssen. Tatsächlich fordert Stronach eine so genannte „Flat Tax" das heißt nichts anderes, als dass die Reichen nur noch den gleichen Steuersatz zahlen sollen wie diejenigen, die ein geringes Einkommen haben. Dass es dadurch noch weniger staatliche Einnahmen gäbe, ist Stronach egal, denn er will den staatlichen Sektor sowieso radikal zusammenstreichen – was wiederum massive Kürzungen im öffentlichen Dienst bedeuten würde.


Die Funktion von Wahlen

Bei den nächsten Wahlen für Stronach zu stimmen, würde den Lohnabhängigen gar nichts helfen. Einerseits deshalb, weil Stronach Teil des maroden kapitalistischen Systems und seine Politik arbeiter/innen/feindlich ist. Andererseits aber auch deshalb, weil im Kapitalismus die Entscheidungen sowieso nicht im Parlament fallen, sondern die Konzern- und Bankchefs den Politiker/innen diktieren, was sie zu tun haben. Sehr deutlich zeigt sich das bei der EU-Krise der letzten Jahre, wo die „Finanzmärkte"den Ton angeben.

Karl Marx hat gesagt, dass die Befreiung der Arbeiter/innen/klasse nur das Werk der Arbeiter/innen/klasse selbst sein kann. Das stimmt auch heute noch. Kein großmäuliger Politiker und kein Milliardär wird das für uns erledigen. Wir müssen uns selbst auf die Füße stellen, uns zusammenschließen und organisieren. Wir sind viele, die Superreichen sind ganz wenige. Wenn wir uns einig sind, hilft ihnen all ihr Geld oder Gold nichts mehr.

Eric Wegner und Maria Pachinger

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