Von wegen die Metaller verdienen zu viel -
wir Arbeitenden verdienen viel zu wenig!

 

Wie jedes Jahr findet derzeit die Metaller-Herbstlohnrunde statt. Und wie jedes Jahr erlebt man ein ähnliches Schauspiel. Die Gewerkschafter überbringen ihre zahmen Forderungen. Die Unternehmer beklagen ihre ach so schlechte wirtschaftliche Situation. Sie jammern, dass sie den Arbeiter/innen nichts zahlen können, weil sie sonst dem Ruin zum Opfer fallen würden, und damit Arbeitsplätze in Gefahr wären.

Trotz dieser Schwarzmalerei der Metallunternehmer ging sich letztes Jahr insgesamt eine satte Gewinnsteigerung aus. Laut Arbeiterkammer haben alleine 134 Unternehmen der Metallindustrie einen Gewinn von mehr als 2 Milliarden Euro erwirtschaftet, wovon mehr als 2/3 an die Aktionäre gehen. Und dabei handelt es sich nur um offizielle Zahlen. Wer weiß, wieviel Geld zur Steuervermeidung in einem anderen Land abgeschrieben wurde und damit gar nicht in Österreich als Gewinn angeführt wird.

 

In der Witzkiste geschlafen: Metallunternehmer fordern „auch ein Stück für sich“

Selbst die PROGE geht davon aus, dass eine Lohnerhöhung von 12,7 % möglich wäre, wenn man nur die Hälfte der Ausschüttungen anstatt den Aktionären den Arbeitern geben würde. Ohne die Inflationsabgeltung erhielten die Metaller in den letzten beiden Jahren jeweils gerade einmal ein halbes Prozent Plus, also ca. 10€ bei einem Bruttolohn von 2.000 Euro. Ja, es scheint, dass den Unternehmern
selbst das zu viel ist, wenn sie „jetzt auch ein Stück für sich“ wollen. Ihre Aussage ist eine völlige Verdrehung der Realität. Die sogenannte Lohnquote sinkt seit Jahren stetig. Auf gut
Deutsch heißt das, dass die Löhne im Vergleich zum Gewinneinkommen immer weniger werden. Und das spüren wir Arbeitenden.

Die „armen“ Unternehmer behaupten, sie hätten durch die „hohen“ Lohnkosten einen enormen Wettbewerbsnachteil. Sie beklagen den „hohen“ Mindestlohn von 1750€ Brutto (also gerade einmal 1.340€ Netto) in der Metallindustrie, der der Höchste in Österreich ist. Es stimmt,
in anderen Bereichen sind die Mindestlöhne niedriger. Aber es ist eine Schande, dass Lohnabhängige in anderen Bereichen noch weniger verdienen als das. Von einem ordentlichen Lohn kann bei 1.750€ Brutto
noch lange nicht die Rede sein. Und jene Herren, die wahrscheinlich selbst nicht mit dem dreifachen eines solchen Einkommens überleben könnten, wollen den Arbeitenden einen niedrigeren Lohn aufdrücken.

 

Eine Welle von Angriffen

Bei den Metallern wurde im Juni ein Paket für flexiblere Arbeitszeiten durchgesetzt, mit so langen
Durchrechnungszeiträumen, dass praktisch die Überstundenzuschläge wegfallen. Das ist aber den Unternehmern nicht genug. Sie wollen gesetzlich den 12-Stunden-Arbeitstag festlegen. Industriellenvereinsvorstand Georg Kapsch, der eine Werkshalle höchstens von Besichtigungen
kennt, findet „12 Stunden tun niemandem weh“. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner will den Arbeitnehmerschutz „umbauen“. Lästig sind ihm und den Industriellen die Arbeitsinspektoren
und Schutzbestimmungen, die in der Realität oft genug nicht eingehalten werden oder sehr bescheiden sind. Das haben die beiden Metallarbeiter in Salzburg, die 2012 im Hochofen verbrannt sind, am eigenen Leib erfahren dürfen. Obwohl alle möglichen Genehmigungen nicht gegeben wurden, Sicherheitsvorkehrungen nicht getroffen wurden, haben sie jahrelang an diesem gefährlichen Arbeitsplatz gearbeitet, bis zuletzt eine Verkettung von gefährlichen Umständen sie das Leben gekostet
hat. Zum Schluss heißt es immer, wir Arbeitenden sind selbst schuld.

 

Arbeitsbedingungen des 21. Jahrhunderts


Wirtschaftskammerexperten träumen bereits von einer Aufhebung der Mindestlöhne und der Höchstarbeitszeit, so wie es in manchen europäischen Ländern der Fall ist. Wirtschaftskammerpräsident Leitl fordert auch eine Verkürzung der Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen. Dabei bekommt man mit Fahrtzeit und familiären Verpflichtungen bei den derzeit vorgeschriebenen 11 Stunden Ruhe zwischen zwei Arbeitstagen nicht immer auf genug Schlafstunden (und sogar das darf jetzt schon in bestimmten Fällen noch kürzer sein).

Die Unternehmer schreien, dass Arbeiterschutzbestimmungen, Vollzeitarbeit in einem fixen und unbefristetem Arbeitsverhältnis nicht „modern“ sind. Was für eine Lüge! Tatsächlich ist ihre Perspektive eine Rückkehr zu den Arbeits- und Lebensbedingungen des 19. Jahrhunderts. Wohingegen der technische Fortschritt es erlauben sollte, die Arbeitszeit zu senken, den Arbeitsschutz zu verbessern und die Löhne zu erhöhen.

Die Arbeiter/innen/klasse aber hat ihr letztes Wort noch nicht gesprochen! Die Arbeitenden der vorigen
Generationen wussten entschlossen gegen die Ausbeutung zu kämpfen, um die Unternehmen zum Rückzug zu zwingen. Diejenigen des 21. Jahrhunderts werden es auch zu tun wissen!

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