Warum uns die Lohnrunde der Metaller etwas angeht

 

Die Verhandlungen der Metaller sind in vollem Gange. Viel passiert hinter verschlossenen Türen und wir erfahren oft erst im Nachhinein, worauf sich die Gewerkschaft mit den Unternehmer/inne/n geeinigt hat. Dabei sind diese Verhandlungen auch ausschlaggebend für unsere Arbeitsbedingungen. Die Ergebnisse sind oft ein Vorbild für die Verhandlungen in anderen Bereichen der Arbeitswelt.

Die Arbeitenden in der Metallindustrie und im Bergbau sind, wie wir alle, einem hohen Arbeitsdruck ausgesetzt. Dieser Druck steigt, denn die Industrie will, dass die Profite trotz Krise steigen. Das heißt auch hier, dass versucht wird bei den Arbeitenden zu sparen. Immer mehr Arbeit muss von immer weniger Leuten ausgeführt werden. Die Arbeitsbedingungen werden diesem Ziel angepasst. Der Mensch muss für die Arbeit also für den Profit des Unternehmens funktionieren. Deshalb ist die Flexibilisierung der Arbeitszeiten immer wieder ein Thema. Ebenso wird versucht mehr Leiharbeiter/innen einzustellen, die sofort entlassen werden können, wenn der Profit in Gefahr ist.

Die Beschäftigten im Metallbereich und im Bergbau sind vor allem Männer, die Jahrzehnte lang schwer körperlich beansprucht werden. Lärm und immer gleiche Bewegungen in einer ungesunden einseitigen Haltung ruinieren sie. Viele haben daher nach jahrelanger Tätigkeit chronische Schmerzen oder sind körperlich schwer mitgenommen. Zusammen mit der Angst vor einem Jobverlust, in unsicheren Zeiten wie diesen, fördert das natürlich Arbeitsunfälle. Und zwar Arbeitsunfälle, die sehr gefährlich für die betroffene Person sein können.

In unserem täglichen Leben können wir sehen, wie die Situation nicht einfacher wird. Lebensmittel werden teurer. Mietpreise verschlingen einen Gutteil des Gehalts. Wer dann noch eine Familie zu finanzieren hat, weiß oft nicht mehr, wie die Dinge in den Griff zu bekommen sind. Zeitlich und finanziell.

Einer der größten Konzerne im Metallbereich, die Voest Alpine AG erwirtschaftete 2010/11 einen Gewinn von 800 Millionen Euro. Dieser Gewinn soll auch heuer erreicht werden. Der Geschäftsführer Wolfgang Eder bezog letztes Jahr ein Gehalt von 1,3 Millionen Euro inklusive Managerboni. Mit so viel Geld lässt es sich sicher leichter dem so genannten Managerstress entgegen wirken. Und was machen die Arbeiter/innen, die nach einem Leben schwerer körperlicher Arbeit ihre Gesundheit für den Konzern gegeben haben?

Die Unternehmer/innen erwarten von den Arbeiter/inne/n Rücksicht. Die Arbeiter/innen sollen Rücksicht auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nehmen. Und wer nimmt auf die Arbeiter/innen Rücksicht?

Das ist allerdings kein Problem, dass nur die Metallindustrie betrifft. Wir können sehen, dass das ein schwerwiegendes Problem unserer gesamten Gesellschaft ist. So im öffentlichen Dienst, so in der Bauindustrie, so auch in der chemischen Industrie...

Wenn wir uns aber gegen Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen nicht zusammentun und wehren, wird es für den großen Teil der Bevölkerung, für uns, nur abwärts gehen. Für uns, die Arbeitenden, die nicht an den Profiten beteiligt sind. Wir sind es aber, aus denen man die Profite erst herauspresst. Es ist eine Abwärtsspirale, die damit endet, dass wir irgendwann mehr schlecht als recht überleben können.

In unserer Gesellschaft drängt eine kleine Minderheit der Mehrheit, den Werktätigen, ihren Willen auf. Die Arbeitenden müssen tatenlos zusehen und können nicht mitbestimmen, wie so etwas Wichtiges wie Arbeitsbedingungen gestaltet werden sollen. Es wird gespart und gespart und wir können nicht einmal überprüfen, ob das notwendig ist. Denn das sind alles Geschäftsgeheimnisse.

Die Manager/innen sind sehr gut organisiert und die Politiker/innen stehen allesamt auf ihrer Seite. Sie haben Beziehungen und halten zusammen, wenn es darum geht ihre Interessen durchzusetzen. Sie schanzen sich gegenseitig Jobs und Aufträge zu und vergnügen sich nebenbei mit ihren einflussreichen Freund/inn/en. Ihre Macht erkaufen sie sich, denn sie haben Geld. Sie gestalten Verträge und lassen Gesetze von ihren Lobbyist/inn/en durchpeitschen. Aber die Gesellschaft am Laufen halten sie nicht. Sie saugen sie nur aus.

Diesen mächtigen Netzwerken etwas entgegenzusetzen ist nicht leicht. Wir, die Arbeitenden, können nur gemeinsam dagegen ankommen. Wir müssen unser eigenes Netzwerk aufbauen. Eines, das höhere Prinzipien hat, als die individuelle Bereicherung und Profite auf Kosten der Mehrheit der Bevölkerung. Ein Netzwerk, das sich nicht von den Unternehmer/inne/n alle möglichen Verschlechterungen in Form von faulen Kompromissen aufdrängen lässt.

Unsere Kraft liegt darin, dass wir der Motor der Gesellschaft sind. Diese Kraft wirkt aber nur, wenn wir uns zusammentun. Nur gemeinsam sind wir stark. Und deshalb gehen uns auch die Metaller etwas an.

Barbara Gruber

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